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Das ist ja mal ne Überraschung: Noch nicht mal Mitte Februar, und schon ist die Advents-Startseite im Blog der ganz gewöhnlichen Aneinanderreihung von Beiträgen gewichen. Mein ganz persönlicher Blog-Knutstag, sozusagen. Advents-Kehraus.

Kehraus. Und schon sind wir gedanklich bei Hannes Wolf. Und wären womöglich viel lieber bei Michael Reschke und Wolfgang Dietrich. Aschermittwoch steht ja quasi vor der Tür. Oje, ich schweife schon wieder ab. Lange nichts mehr hier reingeschrieben, nech? Nun denn, vielleicht hilft es ja, mir einfach selbst ein paar Stichwörter (hier: Namen) zu geben und ein paar lose Gedanken dazu zu formulieren. Nun denn:

Hannes Wolf

Ein Jammer! Und damit meine ich zunächst einmal nicht sein, wenn man den Vereinsgranden glauben darf, jämmerliches Erscheinungsbild als Trainer, der die Mannschaft nicht mehr erreicht und es nur noch einmal versuchen würde, wenn die Vereinsführung explizit darum bäte. Oder so ähnlich.

Aber nein, ein Jammer, dass es nicht gelungen ist, mit diesem intelligenten, sympathischen jungen Mann eine dauerhaftere Erfolgsgeschichte zu schreiben. Eine Träumerei, Sie erinnern sich. Es sollte nicht sein, und ich würde gerne den bösen Leuten aus dem Vorstand die Alleinschuld geben, denen der unerfahrene, dummerweise aber erfolgreiche und noch dazu beliebte Trainer stets ein bisschen suspekt gewesen ist, allein: Ich kann es nicht.

Viel eher gehe ich davon aus, erwarte es gar, dass sich die Herren in verantwortlicher Position spätestens seit der zweiten Hälfte der Vorrunde hin und wieder Fragen zur sportlichen Entwicklung gestellt haben, zur geringen Torgefahr, zu den Defiziten im Offensivspiel, zu mancher taktischen Anpassung im laufenden Spiel. Da konnte man durchaus Aspekte und Argumente finden, die die Position des Trainers nicht eben gestärkt haben. Ob man diesen Argumenten dann folgt oder nicht, ob man dem Trainer dann zusätzliches Personal an die Hand gibt, und wenn ja, welches, darüber kann man zweifellos diskutieren.

Ob ich mir das anders gewünscht hätte? Natürlich. Ob ich Hannes Wolf für eine wohltuende Erscheinung in Bad Cannstatt gehalten habe? Unbedingt! Ob er hinterrücks und bösartig gemeuchelt wurde? Tendenziell nicht. Ob die Vereinsführung den möglicherweise – eine Bestätigung seitens Wolf selbst habe ich bisher nicht vernommen – zweifelnden jungen Trainer hätte stützen und zum Weitermachen drängen sollen? Ich weiß es nicht. Das lässt sich aus der Entfernung nicht einschätzen. Ich war nicht dabei, weiß nicht, ob sich Wolf tatsächlich zweifelnd geäußert hat und wenn ja, wie, in welchem Tonfall, mit welcher Körpersprache, Sie wissen schon.

Fakt ist: Er ist weg, genau wie Jan Schindelmeiser, genau wie Simon Terodde, und glücklich macht mich das alles nicht. Und natürlich wünsche ich ihm alles Gute und eine großartige Karriere.

Tayfun Korkut

Ich habe es bedauert, als er damals den VfB verlassen hat, zu einer Zeit, als ich noch mit einer gewissen Regelmäßigkeit zu den Spielen der U19 des VfB ging, die noch dazu häufig gute Ergebnisse und nicht selten sehenswerte Leistungen brachten. Die bekannte Entwicklung späterer Jahre liegt gewiss nicht daran, dass man damals Korkut ziehen ließ; meine Sympathie für ihn habe ich mir indes über die Jahre bewahrt und freute mich für ihn, als er als Cheftrainer in der Bundesliga anheuerte, mit zunächst gutem, später nachlassendem Erfolg.

Irgendwann nahm ich ihn dann eher als Ritter von der traurigen Gestalt wahr, eine Rolle, die er angesichts der Umstände des Trainerwechsels beim VfB nicht unmittelbar ablegen konnte: Er war ganz offensichtlich nicht die erste Wahl, sein Name weckte im Umfeld nicht die geringste Euphorie, sondern verstärkte im Gegenteil die aus der Entlassung herüber genommene Abwehrhaltung, und dass seine ersten medialen Auftritte im Vergleich zum rhetorischen Sonntagskind Hannes Wolf tendenziell verblassten, dürfte auch kaum jemand bestreiten.

Unabhängig davon habe ich mir, was selten genug vorkommt, das Video der Spieltags-PK vor seinem Debüt in Wolfsburg angesehen. Kein Auftritt, mit dem er uns alle in seinen Bann gezogen hat, gewiss, aber ein grundsolides, an der Sache orientiertes Auftreten, in dem er die eine oder andere Klippe erfolgreich umschiffte und die von den Medienvertretern erhofften Vergleiche zum Vorgänger vermied, oder dort, wo man einen Vergleich hineinlesen konnte, sich eben diesen verbat. Sehr interessant diesbezüglich folgende Ausführungen, auch und gerade, zumindest in meinem Kopf, vor dem Hintergrund mancher Diskussion um Handball-Bundestrainer Christian Prokop und dessen Arbeitsweise bei der zurückliegenden Europameisterschaft:

Wichtig, das kann ich sagen, ist, dass ich nicht zu viel Informationen an die Mannschaft weitergeben werde, versuchen werde, sehr, sehr viel zu sieben, also das heißt zu komprimieren, mit wenig Informationen sie auf den Platz zu schicken, weil einfach ich auch aus eigener Erfahrung gesehen habe, dass, wenn Druck da ist, dass zu viel Informationen auch wieder Verwirrung auslösen können.[…] Aber das hat nichts mit meinem Vorgänger, und auch nichts mit der Art und Weise, wie mein Vorgänger war, zu tun.”

 

Michael Reschke

Der Mann, der Jan Schindelmeiser abgelöst, Hannes Wolf weggeschickt und Tayfun Korkut geholt hat. Und dann haben wir noch nicht einmal über Spieler gesprochen. Noch Fragen?

Ok, im Ernst: Es fällt nicht ganz leicht, ihn zu mögen. Das liegt zum Teil an einigen der ex- oder implizit genannten Personalien, zu einem nicht unerheblichen Teil zudem an seinem Auftreten in der Öffentlichkeit, das im einen oder anderen Fall an den sprichwörtlichen Besucher eines Porzellanladens erinnert. Aktuell befindet er sich nach meiner Kenntnis auf medialer Schadensbegrenzungstour, und möglicherweise schlagen die PR-Verantwortlichen des Vereins, ganz oben angefangen, drei Kreuze, wenn der Schaden hernach zumindest nicht größer geworden ist.

Ich will nicht weiter auf den Trainerwechsel eingehen, ein paar Punkte habe ich oben angesprochen, aber was mich in den letzten Tagen tatsächlich irritiert hat, war der sogenannte Deadline Day. Seit Jahren wünschte ich mir, das Ende einer Transferperiode einmal völlig entspannt begleiten zu können, weil beim VfB diesbezüglich schlichtweg nichts zu erwarten ist. Nun, neulich war es so weit, und irgendwie hatte mir das anders ausgemalt. Keine Baustellen im Kader, so hatte ich es mir erhofft, weder auf den immer schwierigen Außenverteidigerpositionen noch im offensiven Kreativbereich, wo ebenfalls beinahe traditionell Bedarf besteht, keine akuten Lücken aufgrund bitterer Verletzungen, eher so dieses “Macht Ihr anderen ruhig mal, an der Mercedesstraße ist man bestens aufgestellt.”

Nun, ganz so war’s nicht, ehrlich gesagt. Vielmehr konnte ich nicht glauben, dass gerade angesichts der unmittelbar zurückliegenden verheerenden Auftritte in Mainz und gegen Schalke kein hinreichend dringender Handlungsbedarf gesehen wurde. Aber vielleicht wollte man dem neuen Trainer auch erst etwas Zeit geben, sich seinen Kader genauer anzusehen, was weiß denn ich?

 

Mario Gómez 

Klar freue ich mich. Kurz nach seinem Abschied gen München hatte ich ein “Bloggerinterview” gegeben, das der Betreiber des gastgebenden Blogs damals mit meinem Zitat “Gómez war eine Naturgewalt” überschrieben hatte, und ja, das traf meine Einschätzung ziemlich gut. Ich wünschte, er hätte in der Nationalmannschaft etwas mehr Fortune gehabt, auch etwas weniger Scholl, aber natürlich hatte auch er seinen Anteil an diesem Los. Meine Freude über seine Rückkehr war und ist enorm, wenn auch mit mehr als einem Wermutstropfen versehen, den der Abschied von Simon Terodde hineingegossen hat, aber wer braucht schon drei Ochsen?

Wenn ich aber ehrlich bin: Die Naturgewalt ist er bisher nicht wieder. Immer wieder ertappe ich mich dabei, von ihm Durchbrüche wie von jenem jungen Mann zu erwarten, dessen athletische Möglichkeiten grenzenlos schienen, und bin dann kurz enttäuscht, um wenige Sekunden später wieder festzustellen, dass er anderswo ein deutlich versierterer Fußballspieler geworden ist. Solange er trotzdem trifft, will ich mal nichts dagegen sagen.

Berkay Özcan

Ich habe ein bisschen Sorge, dass er ein Verlierer des Trainerwechsels sein könnte. Gewiss, es ist erst eine Partie gespielt, und ja, wir müssten dann auch über Chadrac Akolo reden. Bei Özcan schmerzte es mich ein bisschen mehr. Weil er aus der Region ist, Sie verstehen schon. Ernsthaft: Ich sähe ihn mittelfristig gern in zentraler Position beim VfB, vielleicht gar auf der Sechs, entsprechende taktische Fortschritte unterstellt. Im Moment allerdings sehe ich nicht recht, wo in Korkuts Elf sein Platz sein könnte. Vielleicht kann ich es auch nachvollziehen, wenn er im Abstiegskampf öfter mal außen vor bleibt. In der Hoffnung, und das kann ich nun wahrlich nicht einschätzen, dass der Trainer diese Sache gut moderiert. Wir haben nicht so viele Leute mit seinem Talent bei unserem Verein. Wie er den Ball behauptet mit seinen 19 Jahren. Wie er den Ball – manchmal, und viel zu selten – schnell macht. Und wie er arbeitet. Gefällt mir.

Erik Thommy

Eckstöße, halleluja! Möge es keine Eintagsfliege gewesen sein. Wenn das Herrn Reschkes Plan war: Chapeau! Aber Josip Brekalo vermisse ich trotzdem.

Wolfgang Dietrich

Vor ein paar Wochen habe ich ihn als Redner in einem völlig anderen Kontext erlebt. Was nicht bedeutet, dass er über etwas anderes gesprochen hätte, nein, da ging es schon um den VfB. Vielmehr stand der Rest der Veranstaltung unter einem ganz anderen Motto. Zahlreiche Referentinnen und Referenten trugen zu zahlreichen Facetten eines Gesamtthemas vor, waren häufig bestens vorbereitet und noch dazu wirklich gute Redner/-innen, die Themen waren spannend. Der VfB-Vortrag wirkte angeflanscht, Herr Dietrich hatte keine ausgearbeitet Präsentation im Gepäck, gab aber ein paar Einblicke in das Innenleben des Vereins und ging auf mediale Herausforderungen ein, plauderte über diesen oder jenen Transfer, ohne allzu viel Verve oder Esprit. Dem Publikum, das einem ganz anderen Lebensbereich zuzuordnen ist, war es egal. Es hing an seinen Lippen, applaudierte laut und lange, und die Selfiequote – der Präsident und ich! – beim anschließenden gemeinsamen Imbiss war bemerkenswert hoch. Der Mann ist wichtig. Dass ihn das nicht stört, mag ich ihm per se nicht verübeln. Da gibt es anderes.

Dennis Aogo

Instagram! Spielerfrauen-TV! Was weiß ich was alles! Außerdem Reschkerampe, Alibi-Fußball, you name it. Ok, sein Alibi-Fußball, der stört mich wirklich. Die Auswahl an Gelegenheiten, in denen der gemeine Zuschauer (hier: ich) die Chance wittert, den Raum sieht, in den er, Aogo, hineinsprinten könnte, um Gefahr über die linke Bahn zu erzeugen, oder wenigstens die gegnerische Defensive zu irgendeiner Art von Bewegung zu zwingen, die anderswo Möglichkeiten eröffnen könnte, und in denen er dann doch lieber stehen bleibt und absichert, oder, so er selbst den Ball am Fuß hat, ihn elegant mit der Sohle zurückzieht und nach hinten abdreht, das aber in einer lässigen Art und Weise, die früher auf dem Schulhof oder im Freibad bewundernde Blicke mit sich gebracht hätte, ist reichhaltig. Man könnte ein hübsches Youtube-Video damit füllen.

Er geht nicht ins Risiko. Vielleicht weiß er, dass er nicht schnell genug zurückliefe. Oder zumindest nicht oft. Und vielleicht ist das besser als ein Linksverteidiger, der zu oft ins Risiko geht. Vielleicht hat Hannes Wolf deshalb häufig – zu meinem Missfallen – auf Aogo statt Insua gesetzt, oder Aogo und Insua: Eben weil Aogo solide spielt, in der Regel verlässlich. Und auch, wenn er nicht gerade Elfmeter verursacht, immer wieder mal in brenzligen Situationen zur Stelle ist.

Eventuell teile ich diese Meinung nicht mit allzu vielen Menschen. Zumindest nicht mit VfB-Fans, scheint mir. Oder auch den Eindruck, dass seine Partie in Wolfsburg so schlecht nicht war. Er ist insgesamt nicht sonderlich beliebt, was an ihm ebenso liegen mag wie daran, dass er als Paradebeispiel eines Reschke-Transfers gilt, neben Andreas Beck, der aber eben nicht so auftritt wie Aogo und keine unverschämten Interviews gibt. Wie gestern, als er folgendermaßen zitiert wurde:

“Der Trainer hat nicht versucht, uns mit Informationen zu überfrachten. Das war der richtige Weg. Man merkt, dass er erfahren ist.“

Der Aufruhr war groß, was für eine Frechheit! Übles Nachtreten! Und natürlich lassen die Witze über seine geistigen Möglichkeiten nicht auf sich warten. Kann man natürlich mal machen. Oder man fragt sich, woher so eine Aussage kommen mag. Wie sollte er überhaupt auf so etwas kommen, mit seinen eingeschränkten geistigen Möglichkeiten? Vielleicht hat er es ja einfach nur jemandem nachgeplappert?

Am Ende gar dem Trainer? Wollte er sich bei ihm lieb Kind machen? Oder ihm einfach nur recht geben? Fand er vielleicht, dass die Strategie aufgegangen sei? Ich weiß es nicht. Ja, ich habe gezuckt ob des zweiten Satzes, dieses “Man merkt, dass er erfahren ist.” Fand ich nicht nett Hannes Wolf gegenüber. Mittlerweile glaube ich nicht mal mehr, dass dieser Satz ein Seitenhieb gegen Wolf sein sollte. Der erste sowieso nicht.
Aber ich bin halt auch eher so der leichtgläubige Typ.

Benjamin Pavard

Träumchen. Großartige Entwicklung. Aber wem sage ich das? Wäre schon schön, ihn noch ein Weilchen hier zu sehen. Auch nach Holger Badstubers abzusehendem Abgang. Der, also Badstuber, aufpassen muss, dass sein zur Schau getragenes Selbstbild ihm nicht irgendwann auf die Füße fällt.

Träumerei

Samstag, 13 Uhr. In zweieinhalb Stunden beginnt das erste Erstligaheimspiel des VfB Stuttgart seit etwa 15 Monaten. 476 Tage. Der Gegner trägt denselben Namen wie damals, als die Trainer Schmidt und Kramny, die Sportvorstände Heidel und Dutt, die Präsidenten Strutz und Wahler hießen. Der FSV Mainz 05 besiegelte quasi den Abstieg jenes Vereins, gegen den er selbst knapp 12 Jahre zuvor sein allererstes Bundesligaspiel bestritten und standesgemäß verloren hatte. Heute tritt der VfB als Aufsteiger gegen einen etablierten Bundesligisten an, der seit 2013 stets vor dem VfB stand und zum Transferziel für ambitionierte Stuttgarter Leistungsträger avanciert ist.

Aber ich will nicht auf den Gegner schauen – der VfB bietet ganz allein hinreichend Stoff zum Nachdenken. Es ist ein anderer VfB als vor 15 Monaten, einer, der nicht gerade durch die zweite Liga cecruist ist, aber doch seiner Favoritenrolle, den Ansprüchen der Fans und der Einschätzung Fußballdeutschlands gerecht wurde. Trotz keineswegs überragender Leistungen war die Euphorie zum Zeitpunkt des Aufstiegs groß, die Aufbruchstimmung mit Händen zu greifen, die Erwartungshaltung selbstbewusst.

Mit der Zweitligasaison war, wie oben angedeutet, der Wechsel wichtiger Akteure einhergegangen, zum Teil mehr als einmal. Welchen Anteil diese Veränderungen bzw. die neuen handelnden Personen am Erfolg des letzten Jahres, den als bloßes Ausbügeln eines Betriebsunfalls zu betrachten en vogue und nicht gänzlich von der Hand zu weisen, vielleicht aber auch ein bisschen zu selbstverliebt und überheblich ist, lässt sich schwer sagen.

Über den Präsidenten will ich in diesem Kontext kein Wort verlieren, über die damalige Trennung von Robin Dutt und Jürgen Kramny zu reden ist müßig, und ob Jos Luhukay die Kurve noch bekommen hätte, nun, ich kann es nicht ausschließen. Aber wenn, und da bin ich mir relativ sicher, dann wäre es auf andere Art und Weise geschehen, mit anderen Protagonisten, und vermutlich auch, aber hier wird es in inakzeptablem Maße spekulativ, mit weniger Aufbruchstimmung.

Und nein, Hannes Wolfs Team hat kein Feuerwerk abgebrannt. Wir haben keine fußballtaktische Revolution erlebt, keinen überwältigenden Hochgeschwindigkeitsfußball, auch nicht die Geburt neuer Traumkonstellationen auf dem Feld. Nach heutigem Stand. Wir haben häufig solide, in Einzelfällen verheerende Spiele gesehen, kein faszinierendes Spielsystem, das die Taktikportale zu seitenlangen Artikeln und uns zu Lobpreisungen der neuen Stuttgarter Schule veranlasst hätte.

Wir konnten auf Simon Terodde und einige andere bauen, auf Pragmatismus, Leistungsbereitschaft und individuelle Klasse, mitunter auf klug geführte Spiele und passgenaue Vorgaben für einzelne Partien. Und auf einen Trainer, der in hohem Maße teamorientiert, entwaffnend ehrlich, erfreulich humorvoll und in der Sache kompetent ankommt, der aber das eine oder andere Mal auch deutlich danebenlag. Privileg der Jugend? Meines Erachtens: ja.

Auch wenn nicht alles danach klingt: Es war ein großartiges Jahr. Ein Jahr, in dem uns Carlos Mané verzückt hat, in dem Ebenezer Ofori andeutete, wie elegant ein moderner Sechser auf dem Platz agieren kann, in dem Josip Brekalo noch zu viele falsche Entscheidungen traf, wir aber eine Ahnung davon erhaschten, was da kommen könnte, wenn er noch öfter richtig entscheidet, ein Jahr auch, in dem Neuzugänge Burnic, Akolo, Pavard oder Grgic hießen statt Werner, Hosogaj oder Aogo, und in dem diese Neuzugänge vom Verein verkündet wurden, ohne tage- oder wochenlang durch die Presse getrieben worden zu sein.

Ich weiß nicht, ob die Herren Burnic, Akolo, Pavard und Grgic, auch Brekalo, Mané und andere dem VfB auf Sicht mehr helfen werden als Werner, Hosogaj, Aogo oder Badstuber, aber ich sage es gern: Es war eine schöne Reise, eine wunderbare Illusion. Die Vorstellung, mit einem jungen Trainer, einem unprätentiösen Sportvorstand, den ich bisher gar nicht nannte und der doch durch all die zitierten Namen mehr als nur durchschimmerte, und eben diesen jungen Spielern, deren Zukunft wir alle nicht so genau absehen können, in der Bundesliga zu bestehen, sie vielleicht über kurz oder lang auch ein bisschen aufzumischen, war fantastisch. Im Wortsinne.

Sie ist geplatzt, einer der Protagonisten ist nicht mehr hier, über die Gründe haben wir alle mehr als genug gelesen, oder eben gerade nicht, und nun hat also der nicht so unprätentiöse Präsident einen großen Namen präsentiert, von dem ich durchaus eine Menge erwarte, und mit ihm dann auch gleich die Badstubers und Aogos dieser Welt, von denen ich zum Teil einiges erwarte, zudem den jungen Mann aus Argentinien, von dem die Welt einiges zu erwarten scheint, und im Grunde mögen das alles Schritte in eine gute Richtung sein.

Und wenn der VfB dann am Ende der Saison sein Soll übererfüllt hat, dank Herrn Reschke, dank der genannten Spieler, dank eines Trainers, der vielleicht noch Hannes Wolf, vielleicht auch ganz anders heißt, größer, etablierter, dann werde ich nicht nur anerkennend den Hut ziehen, sondern auch jubeln, vielleicht begeistert sein, vermutlich Abbitte leisten. Und dabei denken, dass die andere Geschichte, die Träumerei, trotzdem die schönere gewesen wäre.

 

 

Kenn ich nicht

Heute ist Deadline Day. Was für ein fürchterlicher Begriff. Im Deutschen sowieso, aber auch bereits in der Originalsprache. Deadline. Gar so wichtig sind Fristen in der Regel ja eher nicht.

Für den VfB Stuttgart war eben dieser Tag kein ganz unwichtiger, und möglicherweise auch kein ganz schlechter: Einigen gegensätzlichen Aussagen zum Trotz waren die Verantwortlichen keineswegs bereit, die Rückrunde der laufenden und auf absehbare Zeit hoffentlich einzigen Zweitligasaison ohne die eine oder andere Ergänzung des Spielerkaders in Angriff zu nehmen, und so gewann man drei junge Männer hinzu, deren Namen ich noch immer nachschlagen müsste. Aber Sie kennen sich ja aus.

Von besagten drei Namen konnte ich einen – der junge Mann sei eines der größeren Talente im europäischen Fußball – ganz grob zuordnen, will sagen: ich hatte ihn schon gehört; der zweite war mir in den letzten zwei oder drei Tagen gelegentlich im Zusammenhang mit dem VfB, und nur mit dem VfB, untergekommen, und dem dritten begegnete ich definitiv zum ersten Mal.

Nun spricht die Tatsache, dass ich die drei Herren nicht kannte, zweifellos nicht gegen sie, und, dies mag schon ein bisschen eher überraschen, sie spricht auch nicht zwingend für sie. Dies gilt analog für den Umstand, dass alle drei Verpflichtungen – in einem Fall handelt es sich um ein Leihgeschäft – in zwei Fällen völlig, im dritten nahezu geräuschlos vonstatten gingen. Nur weil Jan Schindelmeiser den Deckel bis zuletzt draufgehalten hat, handelt es sich nicht per se um Sensationstransfers. Oder, andersherum, bei den drei Herren um Lappen. Hier könnte ein Satz von Adi Preißler stehen.

Nun sitze ich also hier und rede total abgeklärt daher, und bloß nicht überbewerten und kein Shindy-Gefeier (oder Gefire, wenn ich das recht verstanden habe), und dabei platze ich doch eigentlich schon wieder vor Euphorie, bloß weil der Sportdirektor wiederum, und wiederum ist in diesem Kontext kein ganz unwichtiges Wort, ohne großes Gewese drei Kaninchen aus dem Hut gezaubert hat, und dann denkt man schon au kurz an jene Trainer, bei denen sich der Wunsch, mit ihren Aufstellungen oder auch Nominierungen zu überraschen, mitunter ein wenig verselbständige, um das böse Wort vom Selbstzweck zu vermeiden, und natürlich verwirft man diesen Gedanken sofort wieder und kehrt zurück zur Euphorie, hey, drei Transfers am letzten Tag, keiner hat sie so kommen sehen, und jung sind sie, und talentiert, und mit ersten Meriten und natürlich bestens ausgebildet, und wieso eigentlich erst am letzten Tag, aber gut, muss wohl so, und schon sind wir gedanklich bei Fredi Bobic, aber jetzt wollen wir dann doch nicht überziehen, ne?

Und Abbitte möchte ich leisten. Wie konnte ich in Erwägung ziehen, die sportliche Leitung sei bereit, ohne ernsthaften Backup für Emiliano Insúa – womöglich gar Konkurrenz? – auskommen zu wollen? Zumindest scheint Kollege Scrooge – was bin ich doch albern – auch mit diesem Hintergedanken verpflichtet worden zu sein.

Betrachtet man zudem die Profile der anderen beiden jungen Männer, so wurden wohl die drängendsten Positionen in Angriff genommen, einen Hauch von Kür eingeschlossen. Ob dann auch die Auswahl der Spieler passt, wird uns zu gegebener Zeit Adi Preißler sagen können.

 

Ich hab ein gutes Gefühl

Heute geht’s also wieder los. Das erste Saisonspiel im Neckarstadion, und gleich ein internationales Topspiel. Und die Feuertaufe für die Untertürkheimer Kurve, die erstmals nach dem Umbau wieder Gästefans aufnehmen darf, ehe gegen Dortmund auch die Einheimischen dorthin müssen.

Gänzlich uninformiert bin ich also nicht, trotz Elternzeit, trotz weitgehender Stille hier im Blog in den letzten Wochen.

Ein bisschen was habe ich ja doch geschrieben, zum Beispiel die Antworten für’s 11Freunde-Sonderheft, das ich jetzt nicht noch einmal explizit erwähnen würde, wenn ich nicht noch drei Exemplare unter die Leute bringen dürfte: Windhundverfahren in den Kommentaren.

Etwas weiter entfernt von der fußballerischen Tagesaktualität lag das, was ich den Urlaubern vom Textilvergehen ins Stammbuch Blog schreiben durfte. Dort ging es um Harry Valérien, Katsche Schwarzenbeck und natürlich Ove Grahn.

Das war’s dann auch mit der Selbstvermarktung. Kommen wir zurück zum tatsächlichen Geschehen. Hier in Stuttgart. So richtig viel hat sich ja nicht getan in den letzten Wochen. Also, abgesehen von Sami Khediras Abschied natürlich. Bitter für den Verein, vermutlich ein richtiger und wichtiger Schritt für ihn. Den auch der Neue nicht verhindern konnte, trotz Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bei Karstadt oder Breuninger. Obwohl er Namensgeber und Teilhaber einer Sportsbar ist, konnte er auch Olympique Marseille noch nicht zum Verkauf von André Ayew bewegen, und auch seine Anteile an einem Sportgeschäft in Winterbach – wo er sogar jeden Mitarbeiter persönlich kenne – haben den FC Augsburg bis dato nicht dazu gebracht, Ibrahima Traoré abzugeben. Möglicherweise war es aber sein Praktikum bei der DFL, in Verbindung mit den Inhalten seines Fernstudiums im Sportmanagement, das den Liverpool FC überzeugte, Philipp Degen mehr oder weniger günstig zu verleihen.

Ok, jetzt mal im Ernst: ich hätte schon gern einen Manager gesehen, der etwas mehr Erfahrung vorzuweisen hat als die von den Stuttgarter Nachrichten so wunderbar zusammengetragenen Schlüsselqualifikationen und ein gutes Jahr als Geschäftsführer an der Schwarzmeerküste. Jan Schindelmeiser wäre der Mann meiner Wahl gewesen, wobei ich die Umstände seines Abschieds aus Hoffenheim und die in diesem Kontext genannten gesundheitlichen Gründe nicht einschätzen kann. Stattdessen betätigt sich der VfB erneut als Managerausbilder. Und doch habe ich ein gutes Gefühl. Ein Gefühl, das ich nur sehr bedingt rational erklären kann und das ganz sicher nichts mit einer kaufmännischen Ausbildung im Einzelhandel zu tun hat. Es ist eher der möglicherweise anachronistische Glaube an den Typen Bobic, an einen Mann, der in seiner aktiven Karriere ein beachtliches Durchsetzungsvermögen an den Tag gelegt hat, der Konflikten nur selten aus dem Weg ging und der in Vertragsdingen, soweit man das von außen beurteilen konnte, nicht die schlechteste Figur abgab. Es gibt den einen oder anderen früheren Weggefährten, der heute den Hut zieht, wie weit es Bobic als nicht überragend begabter Fußballer bringen konnte, durch seinen Ehrgeiz, Willen und nicht zuletzt Zielstrebigkeit. Nicht die schlechtesten Züge. Das Handwerkszeug können sie sicher nicht ersetzen, aber sie können helfen, es schneller zu erlernen und anzuwenden. Ich hab ein gutes Gefühl.

Noch nicht ganz so gut ist mein Gefühl, was den Saisonstart anbelangt. Zu unklar ist noch die Zusammensetzung der Mannschaft. Zwar bin ich überzeugt, dass auch kurzfristige Neuzugänge ihren Dienst nicht in einem so desolaten körperlichen Zustand antreten werden wie die ehemalige Zaubermaus aus Weißrussland im Vorjahr; ein wenig Eingewöhnungszeit sollte man den Neuen gleichwohl einräumen. Besonders ärgerlich ist das erneute lange Warten insbesondere deshalb, weil man Spieler für die offensiven Außenpositionen sucht – Schlüsselpositionen, deren Bedeutung für sein System Christian Gross unermüdlich betont. Eine weitere Schlüsselposition scheint er mit Philipp Degen besetzt zu haben. Wenn ich das Gemurmel in Cannstatt richtig interpretiere, trägt mancher Fan gewisse Zweifel an dessen Leistungsfähigkeit im Herzen. Zweifel, die ich einerseits teile. Andererseits bin ich froh, dass man einen weiteren Rechtsverteidiger verpflichtet. Zu wechselhaft waren die Leistungen von Stefano Celozzi, zu wichtig scheint Christian Träsch in der Zentrale zu sein. Ob Degen indes ein adäquates Pendant zu Cristian Molinaro sein kann, wie der Trainer es sich wünscht, bleibt abzuwarten. Mein Grundvertrauen in Christian Gross lässt mich zumindest darauf hoffen.

Noch größer ist die Hoffnung, dass Zdravko Kuzmanovic eine große Saison spielt. Er wird gefordert sein, Khediras Rolle als Chef auf dem Platz zu übernehmen. Träsch ist fußballerisch nicht stark genug, Gentner sehe ich nicht als „Leader“, und Funk wird wohl erst langsam in die Mannschaft hineinschnuppern können – gerne lasse ich mich gerade in seinem Fall vom Gegenteil überzeugen. Genau wie von Sven Ulreich, der mich, wie verschiedentlich angeklungen, bis dato nicht vollends überzeugen konnte. Zwar glaube ich nicht, dass Marc Ziegler das Stuttgarter Pendant zu Jörg Butt werden kann; aber es gibt ja auch noch andere Torhüter beim VfB.

In Sachen Innenverteidigung wird sicherlich vieles davon abhängen, wie Serdar Tasci die Enttäuschung der Weltmeisterschaft wegsteckt. Nachdem es aber Niedermeier nicht gelang, im ersten Pflichtspiel in Molde Souveränität auszustrahlen und vielleicht ein Ausrufezeichen zu setzen, und Boulahrouz nach den Eindrücken des Vorjahrs nicht als Liebling des Trainers gelten kann, gehe ich davon aus, dass Delpierre und Tasci wieder den Stamm bilden werden. Im Sturm ist die Situation ungleich offener. Zu Cacau, Marica und Pogrebnyak gesellt sich Martin Harnik, der gegebenenfalls auch über die Außenbahnen kommen kann, als Pendant zu dem vermutlich gesetzten Timo Gebhart – vor allem solange die Neuverpflichtungen ausbleiben und Sebastian Rudy es weiterhin an Schlagkraft mangeln lässt.

Eigentlich wollte ich hier keine Saisonvorschau schreiben, zumal das alles schon nach dem Spiel gegen Molde heute abend wieder ganz anders aussehen kann, aber man kommt halt manchmal so ins Plaudern. Kurz: meine Zuversicht für das erste Saisondrittel hält sich noch ein wenig in Grenzen, aber danach wird das schon – wenn es gelingt, auf den Außenbahnen nachzulegen. Ich hab ein gutes Gefühl.

Und falls es doch nicht klappen sollte, liegt es bestimmt daran, dass man wieder einmal versucht hat, am großen Rad zu drehen. Dabei hat Thomas Haid doch davor gewarnt. Der VfB soll sich auf seine Eigengewächse stützen. Da kann man mit Hilfe des Verweises auf Nischenmärkte dann auch mal Verpflichtungen wie den 835fachen mexikanischen Nationalspieler Pavel Pardo mit rein packen. Und locker auf die Meisterschaften der 80er und 90er zurückblicken, „mit Spielern, die vorwiegend aus dem Talentschuppen auf dem Wasen stammten oder wie Karl Allgöwer, Jürgen Klinsmann, Guido Buchwald und Walter Kelsch von den Stuttgarter Kickers ausgebildet wurden.“

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie Asgeir Sigurvinsson und Matthias Sammer als Vertreter der Meistermannschaften 1984 und 1992, zu diesem Ansatz stehen. Und die Mitte der Neunziger, die bundesweit vermutlich nach wie vor am nachhaltigsten erinnerlichen Phase Stuttgarter Spielkunst, und mit ihr die Herren Balakov und Elber, kann man ohnehin als belanglos beiseite lassen.

Ich sollte aufhören.

Furchtbar altmodische Gedanken

Manchmal bin ich verdammt altmodisch. Oder auch nur ein Slow Adopter, wenn man so will. Dabei hätte ich es ja kommen sehen müssen. Jean-Marc Bosman hat den Spielern alle Macht gegenüber den Vereinen an die Hand gegeben. Nein, natürlich nicht Bosman selbst, sondern die Richter des EuGH. Die Spieler haben das seither weidlich ausgenutzt verhalten sich rational und tanzen dem Großteil der Clubs auf der Nase herum.

Einige Jahre später haben die Trainer nachgezogen. Nachdem sie im Machtgeflecht der Profiligen jahrzehntelang auf die Rolle  als „schwächstes Glied in der Kette“ reduziert worden waren, traten sie zunehmend selbst- und vor allem machtbewusst auf. So ist zumindest mein Eindruck. Felix Magath war über viele Jahre hinweg ein phasenweise überaus erfolgreicher Trainer, dem letztlich dennoch immer wieder der Stuhl vor die Tür gestellt wurde. Diesem scheinbar unvermeidlichen Los ging er erstmals (?) in Nürnberg aus dem Weg, als er aus einer Position der Stärke heraus kurz vor Saisonbeginn den Verein verließ, weil der Verein seinen Forderungen nicht entsprach. In Stuttgart machte er sich mit seinem Abgang später keine Freunde, in Wolfsburg ging er als Meisterheld und dürfte dennoch nicht nur Freunde hinterlassen haben. Ähnliches gilt für Bruno Labbadia in Leverkusen, bloß ohne Heldenstatus. Dieter Hecking wechselte in der laufenden Bundesligasaison von Aachen nach Hannover, und über Jose Mourinhos medienwirksam inszenierten Abgang aus Mailand ist wohl auch alles gesagt – zumindest kennt er seinen (Markt-)Wert und geht seinen Weg.

Die nächste Runde dürfte den Vorstandsmitgliedern vorbehalten sein. Genau wie bei den Trainern gibt es selbstverständlich auch hier bereits Beispiele aus der nicht mehr ganz so jungen Vergangenheit. Michael Meier ging bereits in den Achtzigern von Köln nach Leverkusen, Peter Kenyon (von dem ich nicht weiß, ob er einen Vorstandsposten inne hatte) ließ sich im September 2003 von Roman Abramowitsch aus Manchester zu Chelsea locken. Klar, so ist der Markt. Andreas Rettig ging damals auch von Freiburg nach Köln, beim Sportclub legte man ihm keine Steine in den Weg, beide Seiten hatten – soweit ich weiß – immer mit offenen Karten gespielt, Rettigs Ambitionen waren bekannt.

Bei Horst Heldt liegt die Sache für mich etwas anders. Das hat natürlich zum einen damit zu tun, dass mir die Situation beim VfB deutlich näher geht als jene damals in Freiburg. Zum anderen empfinde ich den Zeitpunkt als unanständig. Ja, auch ein verdammt altmodisches Wort. Und möglicherweise völlig unangebracht, weil ich mich zu wenig mit den Abläufen in einem Profiverein auskenne. Vielleicht ist die Sommerpause tatsächlich gar nicht so wichtig für die Kaderzusammensetzung in der neuen Saison. Vielleicht hat der VfB längst alle angestrebten Transfers in trockene Tücher gepackt und will sie erst nach der Weltmeisterschaft verkünden. Vielleicht ist die Kaderplanung auch gar nicht Teil der Jobbeschreibung des Vorstands Sport, sondern wird ohnehin von der Herren Gross, Schneider und Staudt erledigt.

In meinem möglicherweise naiven Weltbild indes ist es Horst Heldts Aufgabe, im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten die Vorstellungen umzusetzen, die er gemeinsam mit dem Trainer in Sachen Spielerkader diskutiert und entwickelt hat. Und da ich mir kaum vorstellen kann, dass man mit dem aktuellen Kader in die Saison gehen will, ging ich bisher davon aus, dass der Sportdirektor gerade in diesen Wochen in besonders hohem Maße gefordert ist. Gerne will ich Horst Heldt unterstellen, dass er bereits seit Monaten mit der Anbahnung großartiger Transfers befasst ist. Er hat sicherlich Kontakte geknüpft, Gespräche geführt, über Zahlen verhandelt, Perspektiven aufgezeigt, persönliche Beziehungen zu Spielern und Beratern aufgebaut, den VfB in schillernden Farben dargestellt und keinen Zweifel daran gelassen, dass der jeweilige Spieler und der Verein, vertreten in erster Linie durch ihn selbst, eine grandiose gemeinsame Zukunft vor sich haben.

Jetzt sieht das etwas anders aus. Wenn ich mich recht entsinne, verwies Heldt bereits Mitte Juni darauf, dass sich während der Weltmeisterschaft – kein schlechter Zeitpunkt übrigens, um einen Paukenschlag pianissimo vonstatten gehen zu lassen – am Transfermarkt ohnehin nichts tue und danach alles reibungslos von seinem Nachfolger fortgeführt werden könne. Logisch. Wir brauchen uns also keine Sorgen zu machen. Horst Heldt hinterlässt ein bestelltes Feld, die ausstehenden Transfers sind nur noch Formsache, und Heldt wird im Juni 2011 nicht ohne Stolz betonen, dass die Meisterschaft des VfB, über die er sich sehr freue, in Teilen auch seiner Arbeit im WM-Frühsommer zu verdanken sei.

Im Ernst: ich finde, es gehört sich nicht, sich in dieser Phase der Saison Knall auf Fall zu verabschieden. Nicht nur, weil es um den VfB geht. Aber „gehört sich nicht“ ist wohl keine relevante Kategorie.

Zu Heldts Stuttgarter Bilanz und den Nachfolgekandidaten hat sich @hirngabel drüben im Brustring gewohnt fundiert geäußert. Mir persönlich würde eine Lösung mit Jan Schindelmeiser sehr zusagen; allerdings hat er bei seinem Rückzug in Hoffenheim gesundheitliche Gründe ins Feld geführt, von denen ich nicht weiß, wie gravierend sie sind. Unabhängig davon scheint er bei den Diskussionen in Cannstatt keine Rolle zu spielen. Was glücklicherweise auch für Guido Buchwald und einige andere Altinternationale gilt. Es fällt mir auch schwer, mir Fredi Bobic als Sportdirektor vorzustellen; aber da bin ich für eine positive Überraschung gerne zu haben.