Frenchy

Herr F. war ein freundlicher Mann. Vermutlich ist er es noch immer. Damals war er mein Chef. Er schätzte mich und meine Arbeit, auch wenn er mir (und vielen anderen) regelmäßig Gelegenheit gab, just daran zu zweifeln. Sagen wir es, wie es ist: Er war ein Trampel. Seine geheime Superkraft bestand darin, selbst ein noch so ernst gemeintes Kompliment so verpacken zu können, dass es sich wie ein übler Diss, zumindest aber vergiftet anhörte. Ohne dass er es gewollt oder bemerkt hätte.

Oder seine Sitzungsführung, insbesondere bei konträren Meinungen. Selten habe ich jemanden wie ihn erlebt, dem es ohne jede Anstrengung gelang, alle Seiten zu verprellen, unabhängig davon, ob man letztlich eine gute Lösung gefunden hatte oder nicht. Und ohne dass er es gewollt oder bemerkt hätte.

Oder nehmen wir seine Scherze. Sie bedienten keinen -ismus, waren nicht frauen- oder fremdenfeindlich, häufig sogar nett gemeint, und doch so oft schlichtweg gedankenlos. Immer auf der Suche nach dem nächsten Fettnäpfchen, ohne je eines zu erkennen, weder davor noch danach. Und: Sie waren nicht witzig. Oder aber: Sie waren witzig, aber er trug sie so vor, dass niemand darüber lachen mochte. Ein Jammer.

Oder anders: Sie erinnern sich an Lieutenant Hauk? Adrian Cronauers, nun, Vertretung? Seinen ersten Auftritt on air, den seine Soldaten zuvor verzweifelt zu verhindern versucht hatten? Lieutenant Steve, Frenchy? Oh, oh, oh, Frenchy? Wie er sich, als dann das erste Musikstück läuft, zurücklehnt, die Arme selbstbewusst verschränkt und die fassungslosen Soldaten mit herausforderndem Blick anspricht: “I think some apologies are in order.”

You get the picture.

In meinem Kopf sagt Lieutenant Hauk dieser Tage etwas ganz Anderes. “Mit welcher Ruhe und Klarheit wir im Klub Entscheidungen getroffen haben, das war beeindruckend.”

Und dann würden die Apologies eintrudeln. Vom kritischen Teil der VfB-Fans, der auch langsam anfängt zu überlegen und umschwenkt. Schließlich hat der neue VfB-Trainer, den Michael Reschke verpflichtet hat, aus seinen ersten drei Spielen sieben Punkte geholt.

Das ist aller Ehren wert. Und es wäre eine wunderbare Gelegenheit für Herrn Reschke, im Stillen die Hände zu reiben und sich einmal kurz auf die Schulter zu klopfen, dem Trainer sowieso, und dann wieder an die Arbeit zu gehen. Dass damit der Wunsch nach mehr Anerkennung oder zumindest weniger Feindseligkeit seitens eines Teils der VfB-Anhänger eingehen darf, ist unstrittig. Klar kann man sich das wünschen. Natürlich arbeitet es sich leichter, wenn einem diejenigen, von denen man sich Unterstützung erhofft, etwas mehr zutrauen.

Andreas Beck kann bestimmt ein Lied davon singen. Er ist kein Dummkopf, kein als Söldner verschrieener Abzocker, kein Blender, der nur in den sozialen Netzwerken glänzt, ist gar einer, dem man einst manche Träne nachweinte, kurz: keiner, der so recht zum Feindbild taugt. Gewiss, er brennt auf dem Platz kein Offensivfeuerwerk ab, spielt zu viele Fehlpässe, regt unsere Phantasie nicht an. Vor allem aber ist er, wenn nicht das, dann doch ein Gesicht der, falls man so sagen will, Ära Reschke.

Und dieser Herr Reschke ist, Verzeihung, Herr F., ein Trampel. Ein Mann, der es in Stuttgart von Anfang an geschafft hat, Leute vor den Kopf zu stoßen, die ihm gerne wohlgesinnt begegnen würden, es aber nicht mehr hinbekommen, zum Teil sicherlich auch nicht hinbekommen wollen. Weil er sie beispielsweise ohne einen Anflug von Souveränität als ahnungslose Vollidioten bezeichnet hat, oder eben weil er sich nach drei relativ erfolgreichen Spielen hinstellt und von der eigenen beeindruckenden Entscheidungsfindung schwadroniert. Zu einem Zeitpunkt, da nichts gewonnen ist, da man ein paar Pünktchen oberhalb der roten Linie steht, mit der Aussicht, bereits kurz vor Schluss voraussichtlich ein gewisses Polster zu benötigen. Wie kommt man auf so eine Idee?

Im Fachmagazin Kicker wird die von ihm geäußerte Hoffnung auf umschwenkende Fans als Aufruf zur Versöhnung gedeutet. Ich halte das, wie oben angedeutet, nicht für abwegig. Wäre doch schön für ihn, mehr Vertrauen, mehr Anerkennung, mehr Unterstützung zu genießen. Für den Trainer auch, klar. Wenn er es einem nur nicht so schwer machen würde. Nicht der Trainer, der schlägt sich nicht nur auf bzw. neben dem Platz wacker, sondern auch in seiner medialen Darstellung.

Oder können Sie sich vorstellen, dass Tayfun Korkut nach dem Spiel öffentlich die beeindruckende Klarheit seiner Entscheidungen zu Aufstellung, Taktik und Auswechslungen hervorhebt? Oder irgendein anderer Trainer? Ein Sportdirektor? Zumindest nicht viele, vermute ich?

Michael Reschke ist da offenbar anders. Und ich fürchte, er weiß es nicht. Vielleicht hoffe ich es auch. Da muss ich noch drüber nachdenken.

Fiktive Gespräche fernab jeder Realität und jedes Realismus sind weder lustig noch erhellend. Warum lässt man es nicht einfach?

Trainer, erinnern Sie sich noch an unser Gespräch neulich? Sie wissen schon, wegen der Nationalelf und meinen Überlegungen, wie ich mich dort festspielen kann?

Ja, klar erinnere ich mich. Klang doch vernünftig. Und jetzt würdest Du’s gern in die Tat umsetzen?

Ja, logisch! Wenn nicht in Stuttgart, wann dann?

Wieso gerade in Stuttgart?

Nun ja, wie soll ich sagen: erstens wäre der Andi vermutlich ganz froh, wenn er woanders spielen könnte, der hat ja noch sein Trauma vom letzten Jahr. Zweitens versuchen die zwar recht viel über außen, sodass ich einiges zu tun hätte und an meiner Positionierung im Abwehrverbund arbeiten könnte; gleichzeitig spielt aber niemand die wirklich guten, gefährlichen, überraschenden Bälle in die Naht, die unmittelbare Gefahr ist also überschaubar.

Drittens, falls doch mal einer käme und ich überspielt würde, ist die Chance auf ein Gegentor, oder zunächst einmal eine gelungene Hereingabe, immer noch minimal. Macht ja keiner rein. Zumal wir mittlerweile ja einen Torwart haben.

Ok, Deine Argumentation hat was für sich. Zudem sind sie viertens immer für zwei Gegentore gut, irgendeiner wird schon patzen. Was indes dagegen spricht: ich glaube, dass Leitner spielt, der die gefährlichen Bälle durchaus drauf hat, zumindest in der Theorie. Auch wenn sie ihn nicht sonderlich mögen dort. Zudem erscheint es mir wahrscheinlich, dass sie das System ändern und mit zwei Spitzen spielen, weil sie irgendwann ja merken müssen, dass der Timo Werner da außen vielleicht nicht verschenkt, aber auch nicht ideal platziert ist.

Hm, da haben Sie natürlich recht. Wenn der Werner in der Spitze spielt, kann ich mich auf Vorstöße von Sakai, Rausch oder sonst einem Christian-Ziege-Gedächtnis-Flankengeber konzentrieren. Soweit es nötig ist, halt. Früher hätte ich vielleicht noch mit Gente gerechnet, aber der geht ja nicht mehr so weit nach vorne.

Stimmt schon. Andererseits könnten es Maxim oder Didavi schon das eine oder andere Mal versuchen, da musst Du drauf gefasst sein.

Trainer, ich bitte Sie! gegen Schottland hatte ich es mit Ikechi Anya zu tun, meist erfolgreich. In ein paar Wochen will ich gegen Polen, Irland und Gibraltar bestehen. Da werd ich ja wohl mit den Freistoßkünstlern des Vorletzten zurechtkommen! Bisschen Stellungsspiel sollte da reichen.

Das ist mir jetzt zu negativ. Die Freistöße sind schon nicht schlecht.

Stimmt schon. Der Toni kommt da ja auch gerne mal ran. Nur rein macht er ihn nicht. Das ist bei meinen anders. Aber ok, ich werde mich bemühen, sie hinten zu vermeiden.

Ok, überzeugt, einerseits. Bleibt andererseits die Frage, ob wir in der Mitte auf Dich verzichten können. Deine Pressingresistenz ist da schon wertvoll.

Freut mich, dass Sie das so sehen, Trainer, aber wieso glauben Sie, dass der VfB plötzlich zu pressen anfangen könnte, dass er Druck ausübt, den Gegner jagt? Und selbst wenn er uns den Ball abnehmen sollte: was macht er dann damit? Ok, vielleicht Harnik anspielen. Aber bis der den Ball angenommen hat, sind wir mit acht Mann hinter dem Ball. Wahrscheinlicher ist aber eh, dass sie Ulreich einbeziehen. Ballgewöhnung, Sie wissen schon.

Jetzt übertreibst Du aber ein bisschen. In einem allerdings hast Du recht: ein paar Querpässe von Schwaab und Rüdiger werden in der Regel schon dazwischengeschoben, Klein soll den Ball auch mal haben, dann darf ihn Gruezo wieder nach vorne spielen.

Gruezo?

Ach was, sorry, natürlich nicht Gruezo, der darf ja nicht mehr. Romeu meinte ich. Zu viele gleiche Vokale. Wie auch immer: in der Zwischenzeit dürfte unsere Abwehr formiert sein.

Dann darf ich also rechts verteidigen? Und ab und zu mal nach innen schauen, falls doch mal ein paar Stuttgarter schneller nach vorne laufen? Lahm-Style, quasi?

Na ja, Lahm-Style würde ich jetzt nicht grade sagen. Du brauchst nicht auf die Grundlinie zu gehen. Die eine oder andere Flanke (Sagnol-Style) wäre mir lieber. Wenn der Veh drüber nachdenkt, mit der überholten Raute spielen zu lassen, können wir auch die Halbfeldflanke aus der Mottenkiste holen.

Die kennt man in Stuttgart eh ganz gut, Trainer. Boka, Sie wissen schon.

Stimmt.
Nochmal ernsthaft: Du brauchst echt nicht ganz nach vorne zu gehen. Wir halten uns insgesamt etwas zurück. Damit kommt der VfB nicht zurecht. Aber wem sag ich das, das weiß nun wirklich jeder Bundesligaspieler, der seinen Beruf halbwegs ernst nimmt. Masseure, Platz- und Zeugwarte übrigens auch, aber das nur am Rande.

Trainer, noch was anderes: diese Unruhe unter den Fans, das Medienspektakel um das Statement, hat das Einfluss auf das Spiel? Wissen Sie, ich war damals gegen Bochum dabei.

Ah, ich erinnere mich. Ein Ruhmesblatt der Fankultur. Aber nein, das wird diesmal anders sein, glaube ich. Die Fans haben ihren Unmut zum Ausdruck gebracht, reflektiert zum Ausdruck gebracht, soweit ich das mitbekommen habe, und die Spieler werden wohl wissen, dass sie den Schulterschluss mit den Fans brauchen. Da sind gescheite Leute auf dem Platz, die haben keine Eurozeichen in den Augen. Die werden zusammenstehen, das wird alles keine Auswirkungen auf das Spiel haben. Höchstens positive. Selbst Schwaab wird seine Lektion gelernt haben und sich nicht mehr abfällig äußern. Bestimmt. Also ganz bestimmt, ehrlich!

Ja, klar. Der Manager wird ihnen ja sicher auch sagen, wie wichtig die Kurve ist. Der ist schließlich lange genug dabei und hat als Einheimischer ein Gespür für die Fans.

 

 

Gomez trifft, Kießling auch

Der VfB hat in Hamburg gespielt, und Antonio Rüdiger tat das, wovon er noch vor kurzem gesagt hatte, dass es ihm nie wieder passieren würde. Alexandru Maxim tat das, was er schon die ganze Saison tut (deren Anfang ich verdrängt habe), die rechte Abwehrseite tat, was sie gerne mal tut, und Mario Gomez tat, was er immer tut: er traf. Sagte zumindest die Sport1.fm-App:

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0:1, 1:1, ach, das ist doch einerlei bei einem Spiel, von dem jeder weiß, dass es letztlich 3:3 ausgehen wird. Und wenn doch nicht Gomez das Tor getroffen haben sollte, dann nimmt man halt einen anderen:

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Fast. Maxim war’s.

Irgendwie ein bisschen unbefriedigend, wenn man aus Gründen, die an dieser Stelle nicht von Belang sind, darauf angewiesen ist, das Spiel im Webradio zu verfolgen, und wenn dann zum einen die Verbindung ständig abbricht, was am Netz gelegen haben mag, und zum anderen die angezeigten Informationen eher so halb richtig sind.

Gut, wenn man in solchen Momenten andere Themen hat, mit denen man sich beschäftigen kann. Ein Phantomtor zum Beispiel, über das fast alles gesagt (und beim geschätzten Herrn @bimbeshausen wunderbar dokumentiert und kommentiert) ist, aber eben noch nicht von jedem, also entblöde auch ich mich nicht, zwei oder drei ungeordnete Gedanken hinauszuposaunen.

Der erste betrifft den aus meiner Sicht überraschend gemäßigten Umgang mit der Situation. Müßig zu erwähnen, dass dies nicht für Rudi Völler und seine lustigen (müßig zu erwähnen) Ideen gilt. Aus dem von Vernunft geprägten, langweiligen Einheitsbrei ragte zudem Markus Merk heraus, der in beispielhafter Neunmalklugheit zu Protokoll gab, dass er wohl, aus heutiger und, auch wenn er selbst das nicht so sagte, völlig von Leistungs- und sonstigem Druck befreiter Sicht, kurzerhand und eigenmächtig den Videobeweis eingeführt hätte. Ich frage mich, was er eigentlich gegen Felix Brych hat.

Viele andere, allen voran die Hoffenheimer Protagonisten, von Gisdol über Beck und Casteels bis hin zu Herrn Bimbeshausen, beeindruckten mit bemerkenswerter Souveränität, von der man meinen könnte, sie sei der möglicherweise trügerischen Gewissheit geschuldet, das Ergebnis werde keinen Bestand haben.

Dummerweise, so eine häufig gehörte Einschätzung der Geschehnisse, waren die Hoffenheimer auch in der Situation selbst sehr souverän und besonnen, anstatt sich lautstark und, so das von mir vermutete Szenario, rudelbildend zu echauffieren. Ob Herr Dr. Brych das besonders goutiert hätte, sei ebenso dahingestellt wie die Frage, ob er dann, wie von ihm selbst in den Raum gestellt, seine Entscheidung kritischer hinterfragt hätte, und wenn ja, wie.

Was mich irritiert, sind all jene Stimmen, die eben das Brych zum Vorwurf machen: dass er aus den überschaubaren Protesten der eventuell benachteiligten Mannschaft Rückschlüsse auf die Berechtigung eben dieser Proteste schloss. Ich halte das für ein völlig normales menschliches Verhalten, das uns gefühlt in jeder zweiten Folge von Collinas Erben begegnet. Dort betont @lizaswelt zwar stets, dass es sich dabei nur um ein Indiz, aber nie um einen Beweis handeln könne; ein schlechtes Indiz sei es aber in aller Regel nicht. Sehe ich auch so.

Eugen Polanski übrigens auch. Im SWR sagte er sinngemäß (den genauen Wortlaut konnte ich nicht eruieren), er sei sich zunächst sicher gewesen, dass der Ball ans Außennetz gegangen sei, und habe auch protestiert. Da jedoch nicht die ganze Mannschaft (quasi niemand außer ihm) protestiert habe, sei er nicht mehr absolut sicher, sondern verunsichert gewesen. Verunsichert war er also. Und fügte sich dann. In einen deutlichen Nachteil, wohlgemerkt.

Ist es so abwegig, dass es einem Spieler der anderen Mannschaft, der etwa anderthalb Meter von Polanski entfernt stand, also einen ähnlich guten Blickwinkel hatte, auch ähnlich ergeht? Dass er dem Hype (also dem seiner Mitspieler) glaubt und seine Zweifel zwar einräumt, sie aber angesichts der Gesamtsituation hinterfragt und sich in den Vorteil fügt?

Nun, es fällt mir nicht ganz schwer, mir so eine Konstellation vorzustellen. Nur mal so als Gedankenexperiment: man stelle sich vor, ein Spieler würde fälschlicherweise sagen, der von ihm geschossene oder geköpfte Ball sei nicht im Tor gewesen und das Tor würde dementsprechend nicht gegeben. Möchte man eher nicht. Möchten die Mitspieler nicht, der Spieler selbst sowieso nicht, der Schiedsrichter nicht und wahrscheinlich nicht einmal der Gegner.

Um nicht falsch verstanden zu werden: der Gedanke, dass Stefan Kießling sehr wohl und ohne Restzweifel wusste, auf welcher Seite der Ball den Pfosten passiert hatte, liegt auf der Hand, auch auf meiner. Und ohne Polanskis Interview wäre ich vermutlich schneller dabei, ihn der bewussten Lüge zu bezichtigen. Davon bin ich ein bisschen abgekommen.

Gleichwohl: möglicherweise hat er eine Chance verpasst. Und zwar allem Anschein nach jene, künftig in einem Atemzug mit Miroslav Klose genannt zu werden. Das mag in vielerlei Hinsicht erstrebenswert sein; in Sachen Fairness verweise ich indes auf das Fragezeichen, das ich bereits vor ziemlich genau einem Jahr zu setzen versuchte. Damals hatte Klose mit seinem Handgeständnis lediglich den Status wiederhergestellt, der vor seinem Betrugsversuch gegolten hatte. Aber das nur am Rande.

Im Übrigen, und damit will ich es dann auch bewenden lassen, bin ich, auch wenn das natürlich keinen Entscheidungsträger interessiert, kein Befürworter eines Wiederholungsspiels. Im Gegenteil: mir graut vor allen Wiederholungsspielen, die uns künftig wegen gegebener Abseitstore oder nicht gegebener Nichtabseitstore, wegen anerkannter oder nicht anerkannter Wembleytore (die Definition eines Wembleytores lässt sich ja in beide Richtungen beugen) oder wegen der Erkenntnis, dass eine vorbereitende Bananenflanke im Aus gewesen sei, ins Haus stünden. Bin ich ein Romantiker? Ja, der Bananenflanke wegen.

Ja, natürlich ist das Leverkusener (Nicht-)Tor ein außergewöhnliches gewesen, selbstredend ist der Fall ein extremer. Ich zweifle nur an einer eindeutigen Grenze zwischen „inakzeptabel, den Sport schädigend“ und „Pech gehabt“. Gäbe es sie doch, so zweifelte ich daran, dass sich die Vereine an diese Grenze halten würden. Und Christoph Schickhardt.

Die Frage, ob die FIFA eine anderslautendes Urteil akzeptieren würde steht noch einmal auf einem ganz anderen Blatt. Mindestens ein Gegenbeispiel kennen wir alle.

Hoffenheim, ey – typisch mein Alter!

Man bekommt ja mitunter recht wenig mit von so einem Fußballspiel, wenn man einen Neuling mit ins Stadion nimmt. Kurt Schmidtchen weiß ein Lied davon zu singen, wohl auch so manche regelmäßige Stadiongängerin, die einmal versucht hat, dem fußballerisch unbeleckten Herrn ihres Herzens ihre Leidenschaft für das Spiel nahe zu bringen (und grandios gescheitert ist), und ich selbst hatte das Problem auch schon einmal, wenn auch mit vertauschten Rollen: die junge Dame hatte zwar im Vorfeld ein gewisses Grundinteresse am Fußball bekundet und Vorerfahrungen ins Feld geführt; die Gespräche im Stadion – ich war der einzige Ansprechpartner – boten indes hinreichend Anlass, sowohl an den Vorerfahrungen als auch am Grundinteresse zu zweifeln. Ganz zu schweigen von der Bekleidungskompetenz, was spätestens ab der 30. Minute ein zunächst an sich selbst, später zunehmend eindeutig auch an mich gerichtetes Wehklagen ob der unerwarteten Kälte mit sich brachte. Die sich, aber das ist nur eine kaum fundierte Vermutung meinerseits, ihren Weg durch die hauchdünnen Sohlen gebahnt haben dürfte. Insbesondere am Vorderfuß, aufgrund wesentlich größerer Bodennähe.

Es handelte sich übrigens nicht um die Dame meines Herzens, und auch die vorab möglicherweise latent vorhandene Bereitschaft, in diesem Kontext „noch nicht“ zu denken bzw. Jahre später zu schreiben, nun ja, sie schwand. Interessant übrigens, wie vertraut „Dame meines Herzens“ klingt, während ich oben beim „Herrn ihres Herzens“ zögerte. Wieso ist es völlig normal, eine Dame des Herzens zu haben, während ein Herr des Herzens eher kritisch beäugt wird? Oder geht das nur mir so? Liegt es daran, dass der Herr gleich nach einem Herrscher klingt, den wir mit dem Herzen eher ungern in Verbindung bringen? An den Herren, die nicht zu herzlich wahrgenommen werden wollen? Oder müssen wir eher die Historie bemühen, Rollenverteilungen betrachten, aus denen heraus derlei Redewendungen entstanden oder eben nicht entstanden sind, verzweifelte Minnesänger, die ihr Herz bedingslos an eine Frau verschenkten, ohne ihres je gewinnen zu können? Interessiert keinen? Und keine? Ist außerdem hanebüchen? Ok. Dann halt zurück ins Stadion.

Ins Neckarstadion, um genau zu sein, wo ich am vergangenen Samstag mit einem weiteren Neuling war, und wo ich in der Tat deutlich weniger vom Spiel mitbekam als sonst. Sicher, ich sah die Tore, auch die meisten Torchancen (waren ja nicht so viele), im Grunde alles auf den ersten Blick Wesentliche, weit mehr als das, was man je im Sportstudio erfahren würde; und doch wäre ich nicht in der Lage, die Leistungen einzelner Spieler seriös zu beurteilen. Spiel ohne Ball, Laufwege, Angriffsstrategien, für all das fehlte ein wenig das Auge, phasenweise gar für die unscheinbare Effektivität des William Kvist. Dass Cacau Martin Harnik am Torschuss hinderte, klar, das hab ich gesehen, Pogrebnyaks in der ersten Halbzeit eher glückloses und später belohntes Engagement auch, die Schnelligkeit seiner Bewegungen vor dem 2:0, die für das menschliche Auge, zumindest für das von Isaac Vorsah, schlichtweg nicht zu erfassen waren. Hajnals gedankliche Frische war zu erahnen, Gebharts Stimmungslage ist ohnehin klar, Okazakis Standfestigkeit war erneut unübersehbar und erinnert fast schon an Neven Subotic. Babak Rafati hat sich unverkennbar stets bemüht. Und Christian Gentner war zu kurz auf dem Platz, um Andreas Becks Einschätzung, wonach es in der Bundesliga „nicht viele Spieler [gebe], die so schnell sind wie er“, gemeint war Gentner, glaubhaft nachweislich zu widerlegen. (Aber die Frage, ob alle mir bekannten VfB-Anhänger ein Geschwindigkeitseinschätzungsproblem haben oder ob Herr Beck seinen Beruf nicht ernst genug nimmt, könnte bei Gelegenheit einmal Gegenstand einer Erörterung werden.)

Ich bin mir nicht sicher, ob es meinem Sohn dereinst allzuviel Anerkennung einbringen wird, wenn er die Frage nach seinem ersten Stadionbesuch mit „5 Jahre, natürlich im Neckarstadion, am 15. Oktober 2011, in der neuen Cannstatter Kurve, 2:0 gewonnen, gegen, äh, Hoffenheim“ beantwortet. Da gäbe es wohl Namen mit einem besseren Klang, vermutlich nicht nur nach heutigem Ermessen. Für mich war es gleichwohl ein großartiges Erlebnis. Und ich müsste mich schon schwer täuschen, wenn es für meinen Großen, der manchmal auch mein Kleiner ist, nicht auch so gewesen wäre, auch wenn er lange Zeit nicht allzu viel gesagt hat. Er ist ja nicht so der extrovertierte Typ, und 55.000 Menschen, von denen einige in nächster Nähe rumbrüllen (der auf freundliche Empfehlung eingesteckte Lärmschutz störte und wurde rasch entfernt), können einen schon mal ein wenig schweigsam werden lassen. Zumal die Rechnung, wieviele Plätze denn frei waren, wenn eigentlich 60.000 Leute reinpassen, auch ein wenig Konzentration verlangt. Oder die Frage, woran man denn nun erkenne, welcher Hoffenheimer ein Abwehrspieler sei, und eben kein Mittelfeldspieler oder Stürmer, wo doch alle gleich blau seien, man zur Klärung der Abseitsfrage aber immer den hintersten Abwehrspieler heranziehen müsse (ja, den Sonderfall mit dem Torwart ließ ich weg, den Trend zur Polyvalenz auch). Zudem galt es, die Bedeutung der gelb hinterlegten Namen auf der Anzeigetafel zu klären, und gemeinsam rätselten wir, ob ein des Feldes verwiesener Spieler fortan in rot oder gar nicht mehr in der Aufstellung geführt werde. Die betriebswirtschaftlichen Vorteile von Wechselbanden, deren naturgemäß wechselhafter Charakter mit dem Wunsch nach dem Verbleib einer bestimmten und besonders hübsch animierten Werbung kollidierte, wollten ebenso hinterfragt werden wie die Funktionsweise einer Bezahlkarte, die ich am Samstag erstmals auflud, der unverzichtbaren roten Premierenwurst wegen, und zum Einsatz brachte. Für seine Kinder schmeißt man halt mitunter sämtliche Überzeugungen über Bord (und sieht sie sogleich bestätigt, aber das nur am Rande). War übrigens die Karte des verhinderten Mitstadiongängers – die paar verbliebenen Euro darf er gerne haben, und ich kann weiterhin die Boykottmonstranz vor mir hertragen.

Anhänglich war er, der Sohn. Das freut den Vater, nicht nur, weil er inmitten der Menschenmengen panische Angst hat, den Sohn aus den Augen zu verlieren. Während des Spiels, zugegeben, war diese Anhänglichkeit zeitweise eine körperliche Herausforderung. Wir stehen ja auf Sitzplätzen. Falsch. Früher standen wir auf Sitzplätzen, bzw. auf den Sitzen. Seit einigen Jahren stehen wir vor den hochgeklappten Sitzen. Mein Kleiner (wird er gar nicht so lustig finden, diese Bezeichnung, wenn er das hier dereinst nachliest, was vermutlich nicht der Fall sein wird) stand tatsächlich auf seinem Sitz, und der ganz normal überfürsorgliche Vater musste ihn natürlich darauf hinweisen, dass er mindestens einen Fuß vorne platzieren solle, um ein Kippen zu vermeiden. Mit der Konsequenz, dass er zur Sicherheit erst einmal sitzen wollte. Und nichts sah. Also versprach ich, sowohl seinen Sitz als auch ihn selbst ein wenig zu stützen. Korrekter: ihn zu stützen und den Sitz zu drücken. Nun, wer ein wenig gestützt wird, neigt ja gerne mal dazu, sich mehr und mehr stützen zu lassen. Und dann ist es gar nicht mal so trivial, einen neben sich angebrachten Klappsitz mit dem Knie nach unten zu drücken und gleichzeitig den darauf halb stehenden und versuchsweise mit dem Gesäß hinten anlehnenden jungen Mann mit einem Arm gegen das Nach-Hinten-Fallen abzusichern (Vorsicht, letzte Reihe, nach hinten fällt man anderthalb Meter tief), der sich zudem in einem 60-Grad-Winkel nach links neigt und einem zur Sicherheit anderthalb Arme um den Hals gelegt hat. Hat keiner verstanden, ne? Auf jeden Fall kann man sich so, mit wunderbar eng beieinander liegenden Köpfen, auch bei höherem Lärmpegel vergleichsweise gut unterhalten. Und sich gegenseitig Fangesänge vorsingen, was den Vater in der Zuhörphase ein wenig anfasst. Wer will da schon Fußball schauen?

Erwähnte ich übrigens, dass er – vermutlich ist es doch eher müßig, es zu erwähnen – ein Trikot trug? Eines, das ich 2007 kurz vor der Meisterschaft gekauft hatte. (Ist es unfair, genau an dieser Stelle auf Herrn Wieland zu verweisen, dessen Sohn auch dereinst ein erstes Mal erlebte?) War ihm natürlich viel zu groß, damals, mit anderthalb Jahren, 128 war die kleinste (noch?) verfügbare Größe gewesen, aber wen sollte das bei der Meisterfeier stören? Jetzt passt es. Und ist immer noch groß genug, um den einen oder anderen Pulli drunter zu tragen. Bisschen blöd, das, ich würde ihm doch gerne mal wieder ein neues kaufen. Wobei: vielleicht können wir so das Thema Gazi noch aussitzen, wäre ja auch nicht verkehrt.

Hinterher hat er gesagt, er wolle bald wieder einmal mit, mein Großer. Was will man mehr?

Fast Noch nicht gerettet

Ja, fast gerettet, so tönt es aus allen Ecken. Per Twitter erreichen die VfB-Sympathisanten Glückwünsche zum Klassenerhalt, die Zeitungen schlagen in die gleiche Kerbe, in irgendeinem Zeitungsbericht wurde der Abstand zu Eintracht Frankfurt auch gleich einmal auf 6 Punkte erhöht. Wäre schön, dann bräuchte man sich wirklich keine Sorgen mehr zu machen.

Tatsächlich sind es aber bekanntlich nur 5 Punkte. Sicher, die Frankfurter erwecken nicht den Eindruck, noch zweimal gewinnen zu können, aber wir wissen ja alle, wie das in dieser Saison so ist mit den Tendenzen. Und dann gewinnt die Eintracht gegen Köln, der Noch-immer-Champions-League-Kandidat Hannover gewinnt beim Noch-immer-Abstiegskandidaten Stuttgart, der dann beim Auch-dann-noch-Champions-League-Kandidaten in München die Saison beschließt, während die Eintracht zu den Längst-Meistern fährt.

Weshalb ich mir mal angesehen habe, wie sich Längst-Meister in der Regel so schlagen. Demnach könnte der VfB von Glück reden, dass es sich bei besagtem Längst-Meister nicht um die Bremer handelt, die von ihren insgesamt sechs Spielen, die sie als feststehender Titelträger bestritten, sage und schreibe vier verloren: zwei im Jahr 1988, zwei weitere 2004. Nur der HSV ist, rein prozentual, noch schlechter, hat er doch seine einzige Partie als bereits sicherer Deutscher Meister im Jahr 1979 gegen die Bayern verloren. Besagte Bayern haben mit weitem Abstand die meisten dieser eher lästigen Spiele bestritten, nämlich 29. 20 Siege, 5 Unentschieden und 4 Niederlagen sind eine sehr respektable Bilanz. Eine hundertprozentige Siegquote haben Gladbach (3/3), Nürnberg (1/1) und, tada!, Dortmund: der Meister 2011 durfte am 34. Spieltag der Saison 1995/96 zum Schaulaufen antreten und schlug Freiburg 3:2. Folglich ziehe ich meine Bedenken zurück, auf Dortmund ist Verlass.

Es liegt mir fern, hier einen falschen Eindruck zu erwecken: ich bin sehr zuversichtlich, dass der VfB die Klasse hält. Dass Bruno Labbadias Mannschaft ein Rückrundenergebnis erzielt, das hochgerechnet… ach, lieber nicht.

Am Samstag in Hoffenheim zeigte die Mannschaft eimal mehr, dass sie nicht nur weiß, worum es geht, sondern sich auch von Rückschlägen der eher deprimierenden Art nicht aus der Bahn werfen lässt. Tasci fing sich nach einer sehr durchwachsenen Anfangsphase, Ulreich fing sich zum Glück noch etwas früher (ja, ich kreide das 1:0 beiden gleichermaßen an), zu Beginn der zweiten Hälfte kam das nötige Glück hinzu, und dann war erneut Verlass auf Cacau, Kuzmanovic und vor allem Harnik. Spätestens nach diesem Spiel wäre wohl die Frage nach meinem Spieler der Saison geklärt, wenn sie sich denn stellte. Trotz Träsch, trotz Kuzmanovic und Hajnal, trotz – hört, hört! – Ulreich.

Das haben wir gern, Herr Kamke. Den Abstiegskampf noch nicht als beendet ansehen, aber schon über die Spieler der Saison sinnieren.

Auf Pogrebnyak war übrigens eher weniger Verlass, vor dem Tor. Dennoch bin ich der Ansicht, dass seine Hereinnahme nicht nur richtig war, sondern sich auch gelohnt hat. Das Spiel des VfB war im 4-4-2 ein anderes, zwingenderes, Pogrebnyak band Abwehrspieler, Cacau hatte mehr Freiräume, Harnik war links weitaus agiler als Okazaki und ließ Andreas Beck nicht immer gut aussehen.

Was fehlt: eine Statistik darüber, wie erfolgreich Mannschaften, die drei Spieltage vor Schluss völlig unerwartet bereits sicher für den Uefa-Cup qualifiziert waren, die restlichen Spiele bestritten. Aber ich bin guter Dinge, dass Hannover die zweite Niederlage kassieren wird. Dann freue ich mich über jede Rettungsschlagzeile.

Tradition wird siegen!

Am Samstag war Hoffenheim zu Gast im Neckarstadion. Das geschickt angebrachte Spruchband, dessen Platzierung ich als originell empfand, hat mittlerweile wohl jeder irgendwo gesehen, die divergierenden Reaktionen zumindest der eine oder die andere gelesen. Ob man das Ganze auch weniger plump formulieren und dabei witziger sein könnte, soll jeder für sich beurteilen.

„Tradition wird siegen!“ skandierte ein Teil der gefühlten Cannstatter Kurve Mitte der zweiten Halbzeit, ein anderer Teil schüttelte den Kopf ob des Wechselgesangs, dessen Klang ein wenig an Lagerfeuerlieder über 10 unbekleidete Menschen mit dunkler Haut gemahnte. U alele! Unabhängig von der Frage, ob Tradition auf lange Sicht tatsächlich siegen wird, und noch unabhängiger von der Frage, ob Tradition für sich genommen einen Wert darstellt, hätte ich mir kurzfristig schon sehr gewünscht, dass die Sänger recht behalten.

Gegen 10 Hoffenheimer, von denen noch dazu nur wenige einen richtig guten Tag erwischt hatten, hätte man sich einen Sieg durchaus vorstellen können. Der Trainer scheint diesbezüglich zumindest vor dem Spiel, als noch mit 11 Gästen gerechnet wurde, nicht ganz so zuversichtlich gewesen zu sein: er verstärkte die Defensive. Erinnerte sich wohl an Matthias Sammer, den Mann, der dereinst den Libero vor der Abwehr hoffähig machte, und rief Mamadou Bah zu dessen Nachfolger aus. Leider bin ich mir nicht ganz sicher, ob die beiden Christians auf der Doppelsechs, von der man angesichts der neuen Entwicklungen nicht so genau wusste, ob sie eine etwas zurückhängenden Doppelzehn sein sollte, gegenüber dem Zuschauer einen Informationsvorsprung hatten, oder ob die drei die neue Konstellation on the job erlernen sollten.

Bah bewies in der ersten Hälfte verschiedentlich, dass er in der Vorwärtsbewegeung über ein gutes Auge verfügt, als er in aller Ruhe vernünftige Bälle spielte. Ja, die Ruhe. Von der hat er manchmal auch ein bisschen zuviel. Wenn er als gefühlter letzter Mann in enge Dribblings geht, ohne sein Tempo zu erhöhen, zum Beispiel. Wobei ich nicht ausschließe, dass Beschleunigung einfach nicht sein Ding ist. Da kann man dann wohl nichts machen. Besonders glücklich war auch der zaghafte Querpass über 40 Meter an der Mittellinie nicht, und auch das Foulspiel gut 20 Meter vor dem Tor, als Delpierre schon den Ball am Fuß hatte, darf nicht als übertrieben clever gelten. Oder die reihenweise verlorenen Zweikämpfe gegen Ba.

Aber immerhin: Jens Keller hat taktische Flexibilität bewiesen. Er hat die Systemfrage gestellt. Hat das Gross’sche 4-4-2 in ein 4-1-4-1 umgewandelt. So ist zumindest meine Vermutung. Schade, dass die vordere 1 sehr lange den alten Fehler alleiniger Spitzen begangen hat, nämlich zu glauben, dass die alleinige Spitze alleinige Spitze sei und das Spiel auf eigene Faust entscheiden müsse. Bis zum 1:1 ließ Cacaus Übermotivation meist schon die Ballannahme misslingen.

Doch zurück zur Systemfrage: letztlich hat sich der VfB für das System Zufall entschieden. Es ist, rein statistisch betrachtet, nur eine Frage der Zeit, bis blindwütig in Richtung des gegenerischen Tores gespielte Bälle, gerne bei Freistößen von der Mittellinie, aber auch aus dem Spiel heraus (-> Halbfeld, das) oder gar vom Fuß des Torwarts, irgendwann doch für Gefahr sorgen. Natürlich könnte man sich das Ganze etwas strukturierter vorstellen, natürlich würde man sich gerade in Überzahl erhoffen, dass nicht nur Timo Gebhart, aus dem wohl nie ein zweiter Klaus Fischer wird, den Platz auf den Außenbahnen nutzt und dabei Andi Beck nicht immer gut aussehen läst, sondern dass man auch rechts gegen Ibertsberger und Salihovic (!) zu gefährlichen Hereingaben kommen möge. Wenn aber Martin Harnik, ein Mann mit Stürmerblut,  lieber vor der Strafraumeck quer passt, als sein Tempo in einer wahrlich günstigen Situation in den 16er mitzunehmen, und wenn vor allem Cristian Molinaro und Christian Träsch, zwei Spieler, denen ich unterstellen würde, dass sie das Spiel ganz gut verstanden haben, reihenweise Willy-Sagnol-Gedächtnisflanken schlagen, ohne Pizarro und Ballack in der Mitte stehen zu haben, muss ich wohl davon ausgehen, dass das so gewollt ist. Halbfeldflanken als probates Mittel bei Überzahl.

Ja, ich weiß, das ist eines meiner Lieblingsthemen. Und natürlich ist es zu kurz gegriffen, die Misere an diesem Punkt festzumachen. Misere? Welche Misere? Wenn die Mannschaft so weiter spielt, wird sie die nötigen Punkte holen. Sagt zumindest der Kapitän. Wobei sich ganz nebenbei auch noch die Frage stellt, wie viele Punkte denn nötig sein werden. Und wen man hinter sich lassen will. Mit Freiburg, Hannover und Mainz sind einige der üblichen Verdächtigen verdammt weit weg. Frankfurt ist zu solide, um einzubrechen, Schalke  und Wolfsburg eine andere Kragenweite.

Bleibt also das Ziel, die beiden Traditionsvereine vom Rhein hinter sich zu lassen, und die Hoffnung, dass die beiden Traditionsclubs aus Franken und der Pfalz auch noch in den Abstiegskampf einsteigen, gemeinsam mit dem Traditionskultclub.

Stammplätze vor der WM

Update 2.6.: Jetzt mit ohne Beck.

Außer Badstuber spielen alle Innenverteidiger im Verein rechts.

Lahm dürfte auf der rechten Bahn viel Platz haben.

Glückspilz Trochowski war links gegen Jansen chancenlos.

Falls es die Position „10“ nicht gibt, schließt Özil links die Lücke.

Joker: Müller spielt vorne alles, Boateng hinten.

„Stammplatz“ ist im einen oder anderen Fall schmeichelhaft.