Systemtreu

Der Urlaub ist vorbei, der Sommer auch bald, die Bundesligasaison hat begonnen. In der zweiten Liga wurden bereits mehrere Trainer entlassen, Barcelona fahndet europaweit nach Spielern, die den Verein dazu animieren könnten, sich nicht nur einen Weg aus dem Geld heraus freizuschaufeln, mit dem man zugeschissen wurde, sondern dann auch selbst einen Teil dieses Geldes dafür zu verwenden, besagte andere Spieler bzw. insbesondere deren bisherige Vereine zuzuscheißen. Was, etwas überraschend, nicht alle mit sich machen lassen wollen.

Ich weiß nicht, ob alles noch viel schlimmer ist als früher, viel aufgeregter, hektischer, unstrukturierter, irgendwas muss man doch mit dem vielen Geld anstellen, das in den Markt gespült wurde und allein zwischen Neymars Transfer und dem Ende der Transferperiode drei, fünf oder auch zehn Mal den Besitzer wechseln mag. Die Begehrlichkeiten sind enorm, der Leidensdruck mitunter auch, wenn auch nicht so groß, dass zum Beispiel Hannover 96 auf die „maßlosen Forderungen“ eines seitens des Vereins namentlich genannten Spielerberaters eingehen würde.

In Köln bekommen sich derweil Fans in die Haare, weil sie sich nicht einig sind, ob es von Seiten ihres Vereins in Ordnung sei, demnächst für die noch nicht näher definierten Europapokal-Auswärtsfahrten konfektionierte Reisen anzubieten, die dem Vernehmen nach eine Ticketgarantie beinhalten sollen. Eine Diskussion, die wir so oder ähnlich auch schon andernorts erlebt haben und die mich ermüdet. Vermutlich bin ich nur neidisch.

Natürlich ist Ermüdung ein gutes Stichwort, eines, das wir immer wieder hören in diesen Zeiten, weil das Rad überdreht werde, zu viel Geld im Spiel sei, die Clubs sich zu sehr von den Fans entfernten. Die Blase werde platzen, Anzeichen seien ja schon zu erkennen, wie die einen behaupten und die anderen widerlegen zu können glauben, und bei genauer Betrachtung entfalten just diese Diskussionen ihrerseits eine ermüdende Wirkung, von der ich nicht weiß, wie sie sich zur zuvor genannten Ermüdung verhält, kumulierend womöglich.

Also halte ich mich raus, weitgehend. Die Gerüchteküche habe ich bereits früher weitestgehend zu ignorieren versucht; nunmehr gehen auch zahlreiche bereits abgewickelte Transfers mindestens bis zum Saisonstart an mir vorüber. Bundesliga-Sonderhefte kaufe ich für meinen Sohn, ohne selbst einen Blick hineinzuwerfen. Die 11 Freunde, die ich jahrelang abonniert hatte, habe ich im Frühjahr gekündigt. Auf sanften Druck meiner Frau, würde ich gerne sagen, doch so ist es nicht. Ich hatte selbst eingesehen, dass acht bis zehn noch in Folie verpackt herumliegende Hefte eine recht unmissverständliche Aussage über mein Interesse treffen.

Die Frage ist: woran? Der Umstand, dass ich die Freude an der Lektüre einer Zeitschrift verloren habe, die sich mit Fußball befasst, bedeutet nicht zwingend, dass mein Interesse am Fußball verloren gegangen ist. Was mich ganz offensichtlich nicht mehr packt, ist die Art und Weise, wie der Fußball dort erzählt wird, ist vielleicht der Humor, der sich anders entwickelt hat als meiner, ist womöglich die Absolutheit, mit der ich die Positionen zu Themen wie dem Videobeweis oder RB Leipzig wahrnehme – ohne dass ich zwingend konträre Meinungen vertreten würde. Wir haben uns wohl auseinandergelebt.

Vor ein paar Wochen mailte mich jemand von den 11 Freunden an, ich möge doch bitte wie in den vergangenen Jahren den vereinsbezogenen Fragebogen zur bevorstehenden Bundesligasaison ausfüllen und zurücksenden. Ich hatte das in den letzten Jahren gern gemacht und auch stets über Twitterkommentare hinweggelächelt, wonach Blogger ausgenutzt würden und für ein bisschen – kaum messbare – Publizität wertvolle Inhalte lieferten. Gleichzeitig hatte ich die Redaktion häufig darauf hingewiesen, dass es hinreichend andere geeignete, vermutlich geeignetere Kandidatinnen und Kandidaten gebe, ohne dass der jeweilige Redakteur darauf eingegangen wäre.

Hätte ich an seiner Stelle vielleicht auch so gehandhabt. Er wusste, was er von mir zu erwarten hatte: solide Antworten, mit einzelnen Ausreißern nach oben oder unten, das Ganze tendenziell zielgruppenkompatibel sowie nahezu innerhalb der vorgegebenen und in der Regel nicht allzu üppigen Frist – die Bloggerbeilage dürfte im Entstehungsprozess des Heftes nicht an der Spitze derjenigen Aufgaben stehen, die aufgrund ihrer Komplexität besonders viel Vorlauf benötigen.

Genau das habe ich auch dieses Jahr wieder abgeliefert. Glaube ich. Solide Antworten in überschaubarer Frist, und einige der solidesten wurden letztlich abgedruckt. Ich persönlich hätte anders ausgewählt, aber sei’s drum. Natürlich hätte ich auch absagen können. Wäre bestimmt konsequenter gewesen. Hätte den Aufwand des Redakteurs erhöht, aber das wäre a) überschaubar und b) nicht mein Problem gewesen. Hab ich aber nicht getan.

Hernach bat ich meinen Ansprechpartner allerdings explizit, im nächsten Jahr, so es diese Art der Beilage weiterhin gibt, jemand anderes anzusprechen. Weil mir die Originalität zunehmend abgehe. Schließlich, das schrieb ich so nicht, kann man, kann zumindest ich, ein und dieselbe Frage nur so und so oft annähernd kreativ und originell beantworten, und dieser Punkt ist, über den gesamten Fragebogen betrachtet, offenkundig überschritten. Die geneigte Leserin möge sich weiter unten gern davon überzeugen.

Zurück zum Fußball. Oder eben nicht zurück. Bisher schrieb ich ja vor allem von den ganzen anderen Dingen. Jenen, die mich ermüden. Erwähnte Transfergerüchte. Geld. Spielerberater und sonstige Gewinnler. Kommunikationsverhalten von Vereinen. Blase. Diskussionen über die Blase. Wahre und nicht so wahre Fans. Kommunikationsverhalten von Fans. Lauter Themen, über die man eine Menge sagen und intensiv diskutieren könnte. Wenn man denn Lust hätte. Vielleicht auch Zeit.

Ich hab keine. Zeit. Lust, vor allem. Aber ich freue mich auf und über Fußball. Habe auf den ersten Spieltag hingefiebert. Verfolgte im Sommer die U21-EM, die Frauen-EM, schreckte auch vor dem bösen Confed Cup nicht zurück. Nicht die Kirmesspiele, klar, nicht die hochdotierten Vorbereitungsturniere, aber wenn es um Punkte geht, bin ich dabei.

Zweifellos kann man mir vorwerfen, dem System zu dienen, wenn ich den Confed Cup anschaue, im nächsten Jahr auch die WM, obwohl sie in Russland stattfindet, wenn ich ganz selbstverständlich weiterhin ins Stadion gehe und kein Zeichen gegen so viele Dinge setze, die falsch laufen, wenn ich zuletzt, ganz entgegen meiner Gepflogenheit, mehrfach dafür bezahlt habe, Fußballspiele im Fernsehen anzuschauen, und dies künftig möglicherweise häufiger tun werde.

Es lässt sich wohl nicht anders sagen: Meine Lust auf Fußball, auf die 90 Minuten, ist ungebrochen. Bundesliga, Europapokal, Kreisliga, Länderspiele, suchen Sie es sich aus. Ermüdung hin, Begleiterscheinungen her. Steht übrigens auch in meinen Antworten für 11 Freunde, fällt mir grade auf:

Jetzt reicht’s: Das müsste passieren, damit ich nicht mehr ins Stadion gehe …

Solange dort Fußball gespielt wird, stellt sich die Frage auch weiterhin nicht.

Wie gesagt: systemtreu.

______________________________________

 

Die nächste Saison wird eventuell legendär, weil…

… es klugen Fans an allen Bundesligastandorten gelingt, rassistische, homophobe und ähnlich idiotische Wortmeldungen komplett zurückzudrängen. Danach: Weltfrieden.

Wenn ich an die vergangene Saison denke, dann …

… möchte ich sie zwar in absehbarer Zeit nicht mehr erleben müssen; die zweite Liga hatte aber für den VfB zweifellos ihre Momente. Und Punkte, vor allem.

Auf diesen Videobeweis-Fauxpas freue ich mich besonders …

Ich stelle es mir ganz hübsch vor, wenn der vermeintlich unbeobachtete VAR, vielleicht Wolfgang Stark, bei der Analyse einer kniffligen Szene live und hochkonzentriert in der Nase bohrt. Via Großleinwand. Technische Kinderkrankheiten halt.

Für 50 Millionen in Richtung China verlässt uns im Winter …

Keiner. Der VfB hat sich ausgegliedert und ist jetzt selbst total reich.

Mein Verein muss an den DFB Strafe zahlen, weil …

… sich die Fans der jüngsten DFB-Anweisung (RESPECT!) verweigern, liebliche Lobgesänge auf Funktionäre und Sponsoren der jeweiligen Gastmannschaft anzustimmen. Im Übrigen hoffe ich doch sehr, dass die Strafen dann nicht der Verein bezahlt, sondern die AG.

Die neue Vereinshymne sollte komponiert werden von…

Wie heißen schon wieder die, die dieses Troy singen? Das wär doch mal was!

Aus unserem Team unverzichtbar für Jogi Löw ist in Russland …

Der Doppelochsensturm. Echte Neuner sind bei der WM das taktische Element schlechthin.

Fußball schön und gut, aber Weltmeister würde unsere Truppe in …

#SpielerfrauenTV

Auswärts schmeckt gut: Die beste Bratwurst gibt es in …

München im Mai 2018. So ein entspanntes Saisonfinale hatten wir lange nicht.

Dieser Filmtitel beschreibt meinen Klub perfekt …

Die Antwort liegt irgendwo zwischen Zurück in die Zukunft und Stirb langsam.

Dieser Twitter-Account ist für Fußballfans unverzichtbar …

Der, der gerade anderer Meinung ist und an dem man sich ein bisschen abreagieren kann.

Deutscher Meister vor dem FC Bayern wird …

Angesichts der Vorjahresplatzierung und der Rahmenbedingungen vielleicht eine etwas mutige Prognose, aber ich bringe mal den SC Sand ins Spiel.

Noch eher als Schalke entlässt seinen Trainer …

Oh, da dürfte es einige geben. Sagen wir Eintracht Frankfurt.

Wenn der HSV nicht absteigt, dann eben …

… zwei oder drei andere. Solange der VfB nicht dabei ist, ist mir alles recht.

11 Freumde und Kampke. Fragen und Antworten.

Die 11 Freumde, ihres Zeichens Exponenten der Fußballkultur, bleiben uns gewogen. Auch in Liga zwei werden sie den VfB nicht vergessen und lassen daher erneut einen Schlurch- und Popelsblogger zu Wort kommen, der sich nach bestem Wissen und Gewissen müht, die Antworten nicht ganz so vertraut klingen zu lassen wie die Fragen. Gelingt nicht immer. Zudem wurde er von der Realität eingeholt: Anders als zum Zeitpunkt der Beantwortung steht mittlerweile fest, wie der Sportdirektor des VfB Stuttgart heißt. Diese rasche Entscheidung war nicht abzusehen.

Und hier noch ein Zitat in eigener Sache, von @MickyRust:

Die geneigte Leserin ahnt, dass auf dieser 2/3-Seite nicht allzu viel Inhalt Platz hat. Falls also jemand den Rest lesen möchte: here You go!

______________________________________

Darum muss man meinen (sic!) Blog lesen:
Muss man nicht. Reimt sich noch nicht mal.

Die neue Saison könnte ganz eventuell legendär werden, weil…
… die legendärste zweite Liga aller Zeiten zum letzten Mal im frei empfangbaren Fernsehen läuft.

Wenn ich an die vergangene Saison denke, dann…
… funktionieren die Filter in meinem Kopf erstaunlich gut.
Spieltage 17-21: Europapokalträume!

Wenn ich einen durchgeknallten russischen Milliardär kennenlerne, kaufe ich meinem Klub…
… alle Spieler, die sich die aktuelle sportliche Führung wünscht. Wenn man nur wüsste, an wen man sich da wenden muss. Und wie immer: Joshua Kimmich.

Mein schlimmster Albtraum…
… wäre ein planlos herumdilettierender Verein. Honi soit.

Aus meinem Team auf dem Zettel haben muss man…
Thomas Hitzlsperger. Ohne Zettel kann man sich seine Funktionsbezeichnung gar nicht merken.

Die lustigste Fan-Aktion der vergangenen Saison war…
Wie gesagt: Es gab ein paar gute Spieltage, und der Rest war Elend. Nix mit lustig.

Auswärts brauche ich Bier, drei Punkte und…
… jemanden, der das Bier trinkt. Aber eine rote Wurst nähme ich gern.

Das müsste passieren, damit ich nie wieder ins Stadion gehe…
Solange dort Fußball gespielt wird, stellt sich die Frage nicht.

Meine Klatschpappe benutze ich beim nächsten Stadionbesuch um…
… den freundlichen jungen Menschen, die den Gästefans so hübsche Dinge wie “Schwule und Zigeuner” zurufen, ein bisschen Sauerstoff zuzufächeln. Zunächst. Vielleicht hilft’s ja.

Mein Verein muss an den DFB Strafe zahlen, weil/wir ich im Stadion…
… das verunglimpfende Banner “Hey DFB, Du bist manchmal ein bisschen gemein!” zeigen.

Exakt so läuft jeder Heimspielsamstag bei mir ab:
Möglichst zum Neckarstadion radeln, ein paar Minuten zu spät zum Treffpunkt kommen, rote Wurst und Kaltgetränk, überzogen optimistischen Tipp abgeben, “Auf geht’s Jungs aus Cannstatt!”, am Ende resigniert den Kopf schütteln, bedröppelt nach Hause radeln.

Am Montagabend ins Stadion gehen ist wie…
… an jedem anderen Tag in erster Linie ein Vergnügen. Leider ist es jedoch für zu viele ein unmögliches Unterfangen, kann also weg.

Unser aktuelles Trikot ist…
… optisch verlässlich.

Wenn David Guetta Stadion-DJ wird, dann…
… setze ich auf sein Gespür für Pausen. Lange Pausen. Alles andere ist irrelevant.

Auf diese Schlagzeile warte ich schon seit Jahren…
“Osterei gelegt: VfB kann für die neue Bundesligasaison planen!”
Ich werde wohl noch ein Weilchen warten.

In fünf Jahren ist mein Klub…
… immer dann in aller Munde, wenn schwächelnde “Traditionsvereine” gefragt werden, an wem sie sich bei ihrer sportlichen Konsolidierung orientieren wollen. (Hüstel.)

Die Liga nach unten verlässt…
Wer spielt denn überhaupt in dieser zweiten Liga? (Man muss seine überhebliche Absteigerhaltung schließlich offensiv transportieren.)  Wie auch immer: Wichtig wäre mir, dass es nicht den VfB trifft.

Leipzig ist weg, jetzt steigen wir auf, weil…
… soundsovieltausend Dauerkarten verkauft sind. Aufbruchstimmung olé! Übers Sportliche reden wir später. Mit wem auch immer.

Außerdem geht noch hoch…
Heidenheim. Einfach wegen Frank Schmidt. Ob der Kader das hergibt? Keine Ahnung.

Wäre mein Klub ein Mittagessen, dann definitiv…
Verlorene Eier.

Für 10 Millionen in die zweite englische Liga verlässt uns im Winter…
Robin Dutt. Verzichtet auf ausstehende Restzahlungen, weil er seinem Herzen folgen und wieder Trainer werden will,

Wenn ich einem Außerirdischen Fußball erklären müsste, würde ich sagen:
“Hier, Euer Ball. Macht einfach, das wird schon.”

Eine Blutgrätsche verdient hätte…
Leider Thomas Hitzlsperger. Gerne von Joshua Kimmich.

Wenn mein Klub vorm VfB landet, dann…
… ist irgendwas mit der Matrix nicht in Ordnung.

Die US-Variante meines Klubs hieße…
Wannabe Wild Horses.

Den Namen unseres Stadions finde ich…
… perfekt. “Neckarstadion” klingt doch super.

Fußball gucke ich am liebsten…
Ja, stimmt weiterhin.

Von dieser EM-Truppe könnte sich unsere Mannschaft eine Scheibe abschneiden…
Immer wieder Italien. Es muss großartig sein, wenn man weiß, dass hinten nichts passiert.

Diese Saison als erstes gefeuert wird…
… der eine oder andere Nachzügler aus der Ära Dutt.

Und falls es doch nicht  der Coach von 1860 ist?
Der Eventmanager, der für die EM-Berichterstattung in der ARD verantwortlich zeichnet.

Packing war gestern: In dieser neuen Statistik wäre mein Klub ganz vorne…
Wissen wir ja alle: Eigentore pro, nun ja, vielleicht Spieltag?

2. Liga ist viel schöner als Bundesliga, weil…
Nein. Einfach nein.

Zwischenbescheid

Die Saison läuft. Hier noch nicht, offensichtlich, aber sonst überall. Auf den Trainings- und Testspielplätzen der Republik und der Trainingslagerpauschalanbieter, in Fernsehen, Zeitungen und Gerüchteküchen, mitunter auch in den Blogs, obschon auch dort der eine oder die andere eine sommerliche Brise durchwehen und den Herzensverein einfach mal eine Weile Herzensverein sein ließ. Die wunderbaren Kollegen vom Vertikalpass und von Goldmann saxt focht das nur ein bisschen an – sie zeigten weiterhin Flagge, nur ein kleines bisschen seltener, dafür ein etwas größeres bisschen grundsätzlicher. Schön so.

Hier, also genau hier, herrschte indes beredtes Schweigen, das wohl als Ausweis eines gewissen erarbeiteten Grundvertrauens in Robin Dutt und eines Vertrauensvorschusses für Alexander Zorniger gelten darf. Letzterer scheint sportlich so manches verändern zu wollen, was vielerorts für eine gewisse Unruhe sorgt, so auch bei mir, wo sich Besorgnis und Vorfreude ob der so nicht angekündigten, sondern lediglich von mir so interpretierten Jagd nach dem Ball nicht ganz die Waage halten, will sagen: ja, der Gedanke, die Spielweise und -freude der letzten paar Saisonspiele könnten ein kurzes Intermezzo und Vergnügen gewesen sein, missfällt mir; der Gedanke, Zorniger könnte wissen, was er tut, und würde zudem einen Teufel tun, Filip Kostić‘ Stärken zu ignorieren, ist indes deutlich stärker.

Oder war es zumindest, ehe mit Martin Harnik ein von mir nicht zuletzt abseits des Feldes sehr geschätzter Spieler nach meiner Lesart überraschend deutlich seine Skepsis gegenüber dem neuen System, oder dessen Umsestzbarkeit zum Ausdruck brachte. Was natürlich auch an einer verzerrten medialen Darstellung liegen kann, oder daran, dass Harnik selbst seine Felle davon schwimmen sieht – ich kann das nicht beurteilen, weiß ja nicht, was in den Vorbereitungsspielen so passiert, aber es wäre natürlich denkbar, dass der Trainer im neuen System, wiewohl Harnik als schneller Stürmer gut geeignet scheint, dann doch eher Timo Werner neben Daniel Ginczek sieht. Aber jetzt wird’s hier schon wieder viel zu wild.

Wie ich in den letzten Wochen also so gar nichts andachte, sprang mir zufällig die Sache mit den beiden misslungenen Schalker Medizinchecks ins Auge, die sich dann unversehens in einen 140zeichigen Fünfzeiler gedrängt sahen:

Da waren sie also wieder, diese leidigen fünf Zeilen, die sich in mein Gehirn bohren und mich schubweise nicht in Ruhe lassen, langjährige Mitlesende mögen sich erinnern. Damit mir künftig für solche Fälle ein Ventil zur Verfügung gestellt, habe ich einen Tumblr mit dem ebenso überraschenden wie überraschend freien Namen fuenfzeiler.tumblr.com auf die Beine gestellt und dort ein paar Verse veröffentlicht. Ohne expliziten thematischen Fokus, aber ganz unvorbereitet wird es die Lesende nicht treffen, wenn auch dort gelegentlich von Sport oder gar Fußball die Rede ist.  Vom VfB eher nicht, bis dato, aber auch das mag sich noch ändern.

Kurz zum VfB geäußert habe ich mich indes im Saisonheft der 11 Freunde. Betonung auf kurz, denn wie schon im Vorjahr ist der Raum für die bloggenden Zulieferer deutlich knapper bemessen als in früheren Jahren. Da indes der Fragebogen selbst nach wie vor die alte Länge hat, dokumentiere ich nachfolgend meine Antworten, deren Einordnung möglicherweise durch die Information erleichtert wird, dass zum Zeitpunkt der Beantwortung der Wechsel von Sven Ulreich bereits bekannt war, das Karriereende von Marcell Jansen indes noch nicht, und auch das VfB-Trikot war noch nicht offiziell vorgestellt worden.

______________________________________

 

Die neue Saison wird legendär, weil

sie wie immer dazu verdammt ist, die legendärste Bundesligasaison aller Zeiten und Welten zu sein.

Wenn ich an die vergangene Saison denke, dann…

… erinnere ich* mich glücklicherweise nur noch an die letzten paar Spiele – und träume konsequenterweise von Europa 2016.

Wenn ich einen durchgeknallten russischen Milliardär kennenlerne, kaufe ich meinem Klub

… ein bisschen Geduld. Um einen behutsamen Weg in andere Tabellenregionen nicht an kurzfristigen Ambitionen scheitern zu lassen. Ach, und Joshua Kimmich.

Mein schlimmster Albtraum…

wäre am Saisonende, den VfB mal kurz VfB sein lassend, eine aufgeblähte Europameisterschaft, bei der jedes zweite Uefa-Mitglied teilnehmen darf und der Weltmeister zusieht.

Mein Held vergangener Jahre…

heißt, um mal nicht ganz so weit in die Vergangenheit zu blicken, Sami Khedira. Wir durften ihm ein paar Jahre aus der Nähe zusehen, feiern seinen Meisterschaftskopfball noch heute und wussten lange vor Kevin-Prince Boateng, dass er in Südafrika eine wichtige Rolle spielen würde. Es ist kein Zufall – und keine Selbstverständlichkeit –, dass in Stuttgart nach wie vor nur in den höchsten Tönen von ihm gesprochen wird.

Die lustigste Fan-Aktion der vergangenen Saison war

Lustig war gar nicht so en vogue. Aber das ebenso entschlossene wie melodische „Nazis und Idioten“, mit dem mein Stadionnachbar deren Schmähgesang „Schwule und Zigeuner“ kaperte, hat sich einen Platz in meinem Herzen gesichert.

Auf Auswärtsfahrten darf niemals fehlen…

Da ich leider nur sehr selten auswärts fahre, darf bei diesen Spielen vor allem eines nicht fehlen: der Zugang zu einer Fußballkneipe mit Konferenzabneigung und VfB-Sympathie.

Ich gehe nie wieder ins Stadion, wenn …

Quatsch! Ich gehe immer wieder in Fußballstadien. Das könnte, so inkonsequent das auch sein mag, selbst eine konzertierte Aktion aller regelmäßig verdammten Geißeln des heutigen Fußballs nicht verhindern.

Mit einer Klatschpappe kann man prima…

Gibt’s die noch? Vielleicht befinde ich mich in einer privilegierten Situationen, aber ich kann mich nicht erinnern, in der Cannstatter Kurve eine gesehen zu haben.

Mein Verein muss an den DFB Strafe zahlen, weil wir im Stadion

die zulässige Dezibelzahl überschritten haben, oder wie war das? Und vor allem: Wer hätte das vom ach so anspruchsvollen Stuttgarter Publikum gedacht?

Unser aktuelles Trikot ist…

… bis dato noch nicht vorgestellt worden. Aber ich könnte mir vorstellen, dass es diesmal weiß wird, vielleicht mit einem roten Ring auf der Brust. Möglicherweise auch noch auf dem Rücken.

Wenn Pep Guardiola im nächsten Jahr nicht mindestens vier Titel holt, dann

… steht zu befürchten, dass irgendwo ein Sack Reis umfällt.

Auf diese Schlagzeile warte ich schon seit Jahren…

Ulreich sichert seinem Verein die Europa-League-Qualifikation.

Diesen Fußball-Twitteraccount habe ich immer im Auge…

@collinaserben. Ich bin nicht immer einverstanden, gelegentlich auch dezidiert anderer Meinung, schätze aber den Blickwinkel und dessen Vermittlung. Und bewundere das dicke Fell.

Der nächste Pokal im Trophäenschrank meines Klubs ist…

… selbstverständlich nur eine Frage der Zeit. Dass es allerdings mit dem obligatorischen einen Meistertitel pro Jahrzehnt auch in den 10er Jahren klappt, wage ich noch nicht mit letzter Gewissheit zu behaupten

Fußball gucke ich am liebsten

Ja. Nach wie vor.

Die Erste Liga verlässt nach unten…

Die letzten Jahre hatte ich mich hier auf Peter Gagelmann kapriziert. Aber das Ding ist ja durch. Dann halt etwas seriöser: sorry, Ihr Lilien! Und die Hertha würde mich noch etwas weniger überraschen als die acht bis zehn ähnlich ernsthaften Kandidaten.

Gegner des HSV in der Relegation wird…

Drei Mal sei Hamburger Recht, wollt Ihr sagen? Von mir aus. Solange der VfB mindestens einen Platz vor dem Relegationsrang steht, ist mir völlig egal, ob der HSV absteigt oder nicht. Auch wenn man sich das dort nur schwer vorstellen kann.

Folgender Filmtitel beschreibt meinen Verein perfekt:

Planet der Affen

Wenn ich Trainer wäre, würde ich zuallererst…

… Twitter fragen. #followerpower!

Wenn Aliens auf der Erde landen und ich ihnen Fußball erklären müsste, würde ich sagen…

Hier, Euer Ball. Macht mal, das wird schon.

Die Superkraft meines Vereins ist…

Linksverteidiger zu verpflichten, die eigentlich keine sind. Unerklärlich, dass Marcell Jansen hier noch nicht unter Vertrag war.

Der USA-Franchise-Name meines Klubs wäre…

Wannabe Wild Horses. Ohne Stuttgart im Namen, Arsenal-Style. Und dann die Stuttgartsager auslachen.

Dieses Extra würde unser Stadion perfekt machen:

Jemand, der weiß, wann man lustige Tor- und sonstige Musiken einfach mal weglassen sollte. (“Immer” wäre möglicherweise eine ganz gute Richtschnur.)

 

* Das „ich“ ist ein Nachtrag. Es stand so nicht in meinen Originalantworten. Und so sehr ich mich in der Vergangenheit darüber geärgert habe, dass meine Antworten zum Teil sinnentstellend verändert wurden, so froh wäre ich im vorliegenden Fall über eine redaktionelle Bearbeitung gewesen.

Dann halt doch: VfB-Content. Ein bisschen.

Es lässt sich wohl nicht mehr weiter hinauszögern. Zu eindeutig sind die Signale, zu schnell rückt das Großereignis in den Hintergrund, zu unerquicklich sind die Sommerlochthemen, zu medienpräsent ist die Versammlung. Kurz: es ist wohl an der Zeit, sich wieder mit dem VfB zu befassen. Wenn auch nicht mit den Versammlungsthemen, will sagen: mit der „alternativlosen“ Ausgliederung, mit den neuen Aufsichtsräten, die ihre Unternehmen in Stellung bringen, Sie wissen schon.

Auch nicht mit dem Urlaub, übrigens, aus dem Herr Bobic zurückgekehrt ist, wie Herr Wahler jüngst in bemerkenswerter Art und Weise betonte, oder gar mit den Krachern, deren Ankündigung dann ja doch eher ein wenig flapsig zu verstehen gewesen sei, wenn ich Herrn Wahler recht verstanden habe.

Oh, Verzeihung, mit den Krachern hab ich mich dann ja doch befasst, mit einem zumindest, wenn auch in Wahler’scher Manier: flapsig. Der eine oder die andere hat es vielleicht schon gesehen, bei der Lektüre des Bundesliga-Heftchens der 11 Freunde, wo ich wiederum ein paar mehr oder weniger ernsthafte Sätze zum VfB sagen durfte. Geübten Lesenden wird aufgefallen sein, dass die BloggerInnenbilder entfallen und die Fragebögen kürzer geworden sind.

Da indes die Antworten pro Fragebogen ähnlich zahlreich und auch ähnlich umfangreich waren, es sei denn, ich hätte eine abweichende Version beantwortet, will ich meine vollständige, ungeschminkte und tatsächlich nur sehr bedingt originelle Wahrheit gerne hier veröffentlichen:
___________

Die neue Saison wird legendär, weil…

sich der 1. FC Köln zum besten Aufsteiger aller Zeiten aufschwingt. Nicht nur nach Punkten.

Wenn ich an die vergangene denke, dann kriege ich…

zum einen das kalte Grausen, zum anderen: Zweifel. Am Verein und an mir selbst. Es gibt mir zu denken, wie bereitwillig ich mich zwischenzeitlich in den scheinbar unabwendbaren Abstieg fügte. Die Labbadia-Jahre haben mich mürbe gemacht.

Mein schlimmster Alptraum…

Der VfB tut all das, was die Fans wollen: er wechselt die ungeliebte Vereinsführung aus, den weinerlichen Trainer gleich mit, ersetzt ihn durch ein junges Eigengewächs, setzt auf „junge Wilde“ – und dann geht trotzdem alles schief. (Ein Alptraum halt. Völlig unvorstellbar.)

Auf diese Schlagzeile warte ich seit Jahren…

„Die bessere sportliche Perspektive des Vereins gab den Ausschlag für meinen Wechsel zum VfB.“

Meine steile These für meinen Auftritt im DSF-Doppelpass…

Rudolph Brückner hätte echt etwas aus dieser Sendung machen können.

Die lustigste Fanaktion der letzten Saison…

In Stuttgart war dem gemeinen Fan einmal mehr nicht so sehr nach Lachen zumute. Aber die Choreo zum 120. Geburtstag machte was her. Und der Jubel für Thomas Hitzlsperger am letzten Spieltag fühlte sich gut an.

Mein unrealistischer Fünfjahresplan…

wird bereits im zweiten Jahr von der noch viel besseren Realität überholt. Endlich wieder Champions League – und im Halbfinale wartet Meister Köln.

Mit meinem 10-Millionen-Lottogewinn kaufe ich meinem Klub…

lieber nichts. Nachdem ich vom Verfall des Vereinswerts gelesen habe, triebe mich die Sorge um, mit den 10 Millionen gegen 50+1 verstoßen zu können. Aber vielleicht ließen sich ja mit Bruchteilen des Geldes die Einrichtung eins Fanprojekts und die Aufarbeitung der Nazihistorie beschleunigen.

Mein Verein braucht eine neue Hymne. Gesungen von… , weil…

Armin Veh, weil dem Verein ein bisschen mehr Selbstironie nicht schaden könnte.

Diesmal feiert der FC Bayern feiert die Meisterschaft bereits am…

letzten Spieltag. Der DFB besinnt sich dann aber eines Besseren und hält sich doch an die offizielle Tabelle.

Und wenn nicht, kommt am Ende raus, dass Pep Guardiola…

die Anweisungen von Mastermind Hermann Gerland in den entscheidenden Spielen ignoriert hat.

Absteigen müssen leider…

immer noch die Mannschaften, die sportlich nicht gut genug sind. Wird in traditionsbewussten Kreisen gerne mal beklagt, ist aber ein ganz gutes Konzept.

Die große Überraschung der Saison…

wird aus Stuttgarter Sicht der versprochene „Kracher“, den der VfB in der Winterpause dann tatsächlich kauft: Moritz Leitner. Ach, und Labbadias Comeback bei den abstiegsbedrohten Schalkern.

Und wohin pinkelt Kevin Großkreutz?

Das möchte ich noch immer nicht wissen.

___________

Ein Fragebogen halt, mit gezwungen halbwitzigen Antworten. Ich hoffe, die neue Saison gibt mehr her.

WM-Trends 2014: Der Libero

Ja, der Libero hat einen Trend gesetzt. So einen kleinen zumindest. Mit seinem Blogstöckchen do Brasil. Und weil er mich so nett gefragt hat, mache ich auch gerne mit.

wmblogstöckchen2

 

 

 

 

Mein erstes bewusstes WM-Erlebnis war?

Deutschland-Tunesien am 10. Juni 1978. Und den Termin musste ich nicht einmal nachschlagen. Meine Eltern heirateten. Ja, offensichtlich hatten sie in Sünde gelebt. Muss ich mir auch immer wieder vor Augen führen.

Im Nebenzimmer lief das besagte Spiel, ein Grottenkick, der in einem angemessenen 0:0 endete, ich sprang immer wieder hin und her. Rummenigge schoss relativ knapp (aber ungefährlich) daneben, mir entfuhr ein kurzer Ausruf, den ich nicht mehr genauer bezeichnen kann, und die Umsitzenden ließen den kleinen Steppke wissen, dass der Rummenigge mit seinen roten Bäckchen doch gar nichts könne, oder, ganz konkret: „Ach, Bub, der Rummenigge ist doch ein Blindgänger.” Da hat er, sportlich betrachtet, auch nicht so ganz recht behalten.

78 verfolgte ich gleichwohl noch eher kursorisch, verstand weder vom Modus noch vom Spiel selbst besonders viel. 1982 war das dann etwas besser, und noch heute kann man mich nachts um vier wecken, um mich einen Elfmeter schießen Ole España singen zu lassen.

 

Mit welcher WM-Legende würde ich gern einmal Doppelpass spielen?

Puh, Legenden. Mit einem von denen, die ich selbst nicht mehr in ihrer Blütezeit spielen sah, weil ich genau das dann könnte: ihnen zusehen. Oder sieht der Deal gar keine Zeitreise vor? Falls doch: Beckenbauer vor allem, und Cruijff. Auch Eusébio. Pelé a priori nicht einmal so sehr, vermutlich würde er mich aber vom Gegenteil überzeugen. Zidane sowieso, aber klar: beim Doppelpass läuft es immer wieder auf Beckenbauer hinaus. Kleines dickes Kamke.

Oder sprechen wir vom verbalen Doppelpass abseits des Platzes? Dann nehme ich, Sprachbarrieren in pfingstlicher Stimmung ignorierend, zeitreisend, nicht zwingend bis in seine sportliche Blütezeit, Sócrates, eine faszinierende Gestalt. Oder, dann vermutlich etwas kürzer, Ronaldo, um ihn zu fragen, was da wirklich los war anno 1998.

 

Welchem TV-Kommentator werde ich bei der WM gerne zuhören?

Gerd Gottlob und Oliver Schmidt fallen mir als erste ein. Weil sie als Kommentatoren das verkörpern, was man sich, klassisch, von Schiedsrichtern verspricht: sie fallen nicht auf. Und das ist doch viel mehr als das, was von den meisten anderen zu erwarten sein wird. Das andere Ende der Skala braucht an dieser Stelle nicht weiter thematisiert zu werden.

Nachtrag: Mir war nicht bewusst gewesen, vielleicht hatte ich es vergessen oder er seine Herangehensweise verändert, dass sich Gerd Gottlob nicht entblödet, als Kommentator eines Spiels der deutschen Mannschaft regelmäßig in der Wir-Form zu sprechen, im Sinne von (fiktiv): „Da haben wir aber dem Gegner zu viel Raum gelassen.“ Vor diesem Hintergrund ziehe ich meine Aussage zurück. Nein, ich höre ihm nicht gerne zu.

 

Die Iren haben sich für die WM am Zuckerhut leider nicht qualifiziert. Welchem weiteren Land drücke ich neben Jogis Jungs als »Zweitteam« die Daumen?

In der Gruppenphase gibt’s einige Zweit-, Dritt- oder auch Viertteams, einfach weil ich zum Beispiel lieber Chile als die Niederlande, lieber Südkorea als Russland oder auch lieber Klinsmanns USA als Portugal oder Ghana im Achtelfinale sähe.

Genereller betrachtet, hat mein Faible für die Franzosen chronische Züge, auch wenn es zwischenzeitlich auf harte Proben gestellt wurde und phasenweise zur Hassliebe mutierte, und dann natürlich Belgien, ewige Lieblinge seit Pfaff, Ceulemans (nicht Raymond) , Vanderelsteyckenbergh, van Moer, später Scifo. Und ja, irgendwie scho au die bereits genannten Südkoreaner. Können die eigentlich auf Italien treffen?

 

Zu Jogis Jungs: Meine beiden Lieblingskicker aus dem deutschen Kader sind?

Großkreutz. Seine, ja, Hingabe beeindruckt mich. Hatte ich hier auch schon das eine oder andere Mal thematisiert, dass ich ihn schätze und ihm manches (vermutlich mehr als anderen) verzeihe, auch (gerade?) abseits des Platzes. Rein sportlich gibt’s natürlich ne Menge Kandidaten. Müller und Özil in sehr hohem Maße, Khedira nicht nur aus lokalpatriotischem Antrieb.

Wenn ich mich aber entscheiden müsste, sagen wir für zwei Spieler, ihrer sportlichen Fähigkeiten wegen, dann für Lahm, der so unsagbar gut ist,

und für Götze, der so unsagbar gut ist, es aber noch nicht so oft zeigt, wie er könnte.

 

Wie weit kommen Jogis Jungs?

Ganz nach oben.

Klar ist da der Wunsch Vater des Gedanken. Der unmittelbare, klar, aber auch jener mittelbare, dass Herr Löw am 13. Juli eine ganz große Runde „in your face“ ausgeben können möge. Was er so vermutlich nicht täte.

 

(Wenn nicht Jogis Jungs:) Wer wird am 13.07.2014 im Maracanã Weltmeister?

Ich kann mir gar nicht recht erklären, wieso ich bei dieser Frage nie an Argentinien denke, obwohl ich doch zu glauben weiß, wie stark sie sind. Und doch lande ich immer bei Brasilien, halbherzig, und vor allem bei Italien, auf die ich mich, müsste ich mich entscheiden, wohl festlegen würde, noch vor Spanien. Ach, und Belgien. Einen aus dem offen geheimsten Favoritenkreis Belgien, Chile, Kolumbien muss man wohl nennen.

Wobei so ein geschlechterübergreifendes japanisches Double schon was hätte.

Doppelfünf

Still hier in diesen Tagen, nicht wahr? Man kommt ja zu nichts. Ehrlich nicht, aus mancherlei Gründen, die nicht alle angenehm sind, aber das nur am Rande. Gerne hätte ich zwischenzeitlich mal wieder eine „Verbalbeurteilung“ zu Ende gebracht, oder meine, ähem, angedachten Bemerkungen zu vermeintlich toten Sportblogs zu Papier, allein: es sollte nicht sein. Bisher.

Im Idealfall begründet man so ein Schweigen überzeugend mit „anderen Projekten“, die man zwischenzeitlich vorangetrieben habe, und mit etwas Glück erblicken diese dann irgendwann das Licht der Welt. Öfter auch nicht. Bei mir ist es heute ausnahmsweise mal andersherum: Licht der Welt ja, Belastung durch anderes Projekt: eher nein, bestenfalls kaum.

Tatsächlich hat so ein kleines Projekt heute seine Tarnkappe abgelegt und ist öffentlich geworden. Erfreulicherweise eines, an dem ich nicht ganz allein beteiligt bin, sondern mit einem wunderbaren Mitstreiter. Ein Projektlein, das dem einen oder der anderen Mitlesenden kaum mehr als ein Gähnen entlocken wird: Fünfzeiler, schon wieder. Einfach in ein Tumblelog geschmissen, ohne großen technischen und gestalterischen Aufwand, wie man mich halt kennt, und wie man den geschätzten Mitschreiber Herrn @rebiger unter Umständen auch einzuschätzen versucht ist, bloß weil er sein Blog, in dem es primär um den HSV geht, saisonal auch mal in fünf Zeilen, nicht auf oder unter einer eigenen Domain betreibt.

Das Thema ist auch nicht besonders ausgefallen, in diesen (gerade noch vor-)weltemeisterschaftlichen Zeiten, aber sei’s drum: wie haben Spaß. Und auch wenn wir keine besonderen gestalterischen Ansprüche haben, so kennen wir doch Leute, bei denen das anders ist und die uns in gar wunderbarer Weise ein Logo gestalten, um die werte Leserschaft erst einmal abzulenken und davon abzuhalten, sich mit Schriftarten, optischen No-Gos oder gar den dahinter steckenden dilettantischen Code-Anpassungen zu befassen.

Genau genommen kennen wir erst einmal eine solche Person, nämlich die großartige Frau @rudelbildung, die wir alle nicht nur vom Textilvergehen schätzen und die uns ruck, zuck eine schicke Doppelfünf kredenzt hat:

 

5_LOGO_Var1_400

 

Doppelfünf, Sie wissen schon:
zwei Typen, fünf Zeilen. Und das Ganze für ein Turnier.

Bleibt die Hoffnung, dass sich noch der eine oder die andere Lesende in eine(n) Mitreimende(n) verwandelt und seine oder ihre FIFA-Fünfzeiler mit uns teilt. Zum einen müssen wir dann nicht alles alleine machen, zieht sich ja auch so’n bisschen hin, so ein Turnier.

Zum anderen zeigt die eigene adventskalendarische Erfahrung, und nicht nur die, dass in diesem Internet zahlreiche Reimeschmiede und -schmiedinnen unterwegs sind, die gelegentlich eines Anstoßes bedürfen, um in Anapäste oder Amphibrachys einzutauchen. Jetzt wäre wieder so ein Moment. Freiwillige für die fünfzeilige Aufarbeitung der Morgengrauen-Spiele werden dabei prioritär gesucht.

Wie auch immer: hier entlang, bitte. Bei Interesse.

 

 

Culinos Verben

Nein, die Ähnlichkeit ist nicht zufällig entstanden. Wenn ich ehrlich bin, ist sie sogar ziemlich gewollt. Eine inhaltliche Rechtfertigung ist kaum zu konstruieren, von einer natürlichen, weil naheliegenden Entwicklung gar nicht zu reden.

Culino, soso. Ok, es hat ein paar Buchstaben mit Collina gemein, meinetwegen auch noch die Silbenzahl, und es ist nicht gänzlich auszuschließen, dass Menschen in meinem Umfeld, mich selbst eingeschlossen, zu Zeiten, als wir uns ein bisschen mit der italienischen Sprache und deren Diminutiven befassten, dem Gedanken an einen Herrn namens Pierluigi Culino einen gewissen Witz nicht absprachen. Alkoholika lassen sich als Entschuldigung nicht ins Feld führen.

Kleiner Service für diejenigen, die in der italienischen Sprache nicht ganz so zuhause sind: Ärschchen. So könnte man culino wörtlich übersetzen. Dass es nach meiner Kenntnis, der ich in der italienischen Sprache ebenfalls nicht ganz so zuhause bin, gar nicht so verbreitet ist, dieses Ärschchen, interessierte uns nicht allzu sehr, und wenn ich ehrlich bin, ist es mir auch heute noch recht egal.

Ich mag das Wort. Eigentlich wär’s doch auch im Deutschen ganz gut, nicht so harsch, vielleicht als wohlwollende oder halbherzige Beleidigung einzusetzen, aber irgendwie ist die Aussprache nicht ganz ohne: Ärschchen. Ärschchen. Bitte zehnmal am Stück sagen, so schnell wie möglich. Ärschchen! Zunge gebrochen.

Möglicherweise habe ich mich in eine Sackgasse manövriert. Irgendwie sollte ich wieder zum Ausgangspunkt kommen. Der da lautete: Ähnlichkeit. Zu Collinas Erben. Sie wissen schon: der Schiedsrichterpodcast, den man gar nicht genug loben kann. Dort gibt es, wer will es den beiden Protagonisten Alex Feuerherdt und Klaas RefeReese verdenken, das eine oder andere wiederkehrende Thema. Oder, um es korrekter zu sagen: wer will es den Protagonisten nicht danken?

Zu diesen wiederkehrenden Themen zählen natürlich Elfmeter und Platzverweise, oder, in dieser Saison ganz besonders nachgefragt, Abseits und Handspiel. Liegt wohl in der Natur eines Schiedsrichterpodcasts. Zu diesen Themen zählen aber auch die Taktik des Schiedsrichters, die Fußballphilosophie oder die Psychologie des Spiels, und zu diesen Themen zählen weiterhin Zeitlupenwissen und: Kommunikation.

Die Kommunikation des Schiedsrichters. Wie er mit den Spielern umgeht, wie er mehr oder weniger virtuos auf jener Klaviatur spielt, die Gott, irgendwelche Bildungseinrichtungen oder auch die Straße ihm gegeben hat, von einfühlsamem Gebabbel über Warnungen, Drohung und schrille Pfiffe bis hin zu farbigen Kartons.

Kein Vertun: auch letztere sind Kommunikationsmittel. Zum Glück legen die Ärschchen (Verzeihung, das war der Übermut. Bitte unter „wohlwollend“ abheften.) Erben ihren Fokus bei der Kommunikation eher auf den verbalen Umgang zwischen dem Richter und den zu Richtenden, lässt uns Alex an seinem breitgefächerten Erfahrungsschatz teilhaben, auch daran, dass er die Spieler mitunter ganz bewusst ins offene Messer, sprich: den falschen Einwurf, laufen ließ, um sowohl ihnen als auch uns Hörern ein paar Grundregeln von „Psychologie im Alltag“ näher zu bringen.

Das mag, wie ich gerade feststelle, ein wenig spöttisch klingen, ist aber gar nicht so gemeint, im Gegenteil. Gleichzeitig stellt sich mir aber die Frage, inwieweit seine Bemühungen in der Schiedsrichterausbildung diesbezüglich fruchten, vielleicht auch fruchten können. Womit wir wieder bei der Virtuosität wären, mit der er seine Kommunikationsmöglichkeiten, und in allererster Linie die Sprache, zu nutzen weiß.

Einer Virtuosität, die nicht jedem Schiedsrichter zur Verfügung steht, auch wenn, wie schon vor Jahren erörtert (insbesondere in den Kommentaren, wo sich nicht zuletzt einer der Erben in seiner damaligen Identität erhellend einbrachte), die Akademikerquote unter den hochklassig pfeifenden Schiedsrichter mittlerweile beträchtlich und die rhetorischen Fähigkeiten zentral sind.

Damals, in den Niederungen des Provinzfußballs, war dem nicht so. Die Kommunikation war eher direkt, und ähnlich wie wir Spieler in jenen Klassen in aller Regel nur ein Spieltempo drauf hatten, hielt sich auch die kommunikative Virtuosität der Herren in schwarz (sic!) in Grenzen. Ich selbst war im Grunde stets ein fairer Spieler, flog nie vom Platz, sah selten gelb – meine erste Verwarnung dürfte ich in der A-Jugend erhalten haben, und ich war den Tränen nah, zumal sie mich auch noch fünf Mark in die Mannschaftskasse kosten sollte.

Kurz: ich wollte keine Verwarnungen bekommen. Und entwickelte Vermeidungsstrategien. Die zumindest in jenen Klassen ganz gut funktionierten. Punkt eins war der Kapitänsbonus, für den ich nichts konnte, der aber half, wenn man seinen inhaltlichen Dissens mit dem Schiedsrichter nicht mit sich selbst ausmachen konnte. Punkt zwei, und an dieser Stelle war möglicherweise ich derjenige, der eine gewisse Virtuosität entwickelte, bestand darin, den Schiedsrichter nur indirekt zu kritisieren.

Vermutlich lächeln die Erben, denen nichts Weltliches fremd ist, bereits wissend, so sie denn mitlesen, und erinnern sich der Platzverweise, die sie oder die zumindest einer der beiden, der Erstgeborene, wenn man so will, gegen vermeintlich neunmalkluge Indirektbeleidiger ausgesprochen haben. Bei uns in den Niederungen kam man, kam ich indes immer ganz gut damit durch. Ok, einmal stieß ich auf einen erfahrenen Unparteiischen, der mir recht früh den Zahn zog, sinngemäß: „Sie halten sich wohl für besonders gescheit? Mit mir nicht, Herr Kamke, ich bin’s nämlich auch!“ Ja, er wusste meinen Namen. Und wer weiß, vielleicht kannte er auch meine Angst vor gelben Karten. Ich blieb lammfromm.

Was das sei, dieses indirekte Beleidigen? Nun, in aller Regel bedarf es eines Mitspielers, der den Schiedsrichters kritisiert. Gerne auch vehement kritisiert. Dann geht man hin, wirkt auf ihn ein und sagt Dinge wie: „Matze, lass es doch, der Mann stößt halt an sein Grenzen“ oder „Ach komm, Gerd, er tut das doch auch nicht mit Absicht“, vielleicht auch „Lass gut sein, Hänschen, er bemüht sich doch.“

In aller Regel dauerte es dann einen Moment, in dem der Herr in schwarz das Gehörte sacken ließ, dann dauerte es noch einen Moment, in dem er nachzudenken schien, wie er damit jetzt umgehen solle, und schließlich lief das Spiel weiter. Und der Spieler hatte einen lächerlichen kleinen Sieg errungen, der im Übrigen in keinem einzigen Fall dem häufig zitierten Pyrrhus zur Ehre gereicht hätte. Will sagen: ich kam stets davon. Ohne Karte.

Wobei „stets“ eine fürchterliche Übertreibung ist. So häufig war das nicht der Fall, ich war fast immer ein sehr umgänglicher Spieler. Im Grunde ist mir nur eine Aktion im Nachhinein so richtig unangenehm: als ich dem – wirklich schlechten, aber das nur nebenbei – Schiri beim Handschlag nach dem Spiel ein „Machen Sie sich nichts draus“ zuraunte. Nach dem Spiel. Was für ein Arsch! Also ich. In dem Fall. Ansonsten maximal: Ärschchen. Das in Einzelfällen Formulierungen wie „er bemüht sich ja“ verwendete, stimmt. Bemühen. Eines von Culinos Verben.

„Duzen“ ist ja auch eines. Die Frage, seit wann wir uns duzen, habe ich manchem Spielleiter gestellt. Selten eine Antwort erhalten. Einmal ein entwaffnendes „Seit Du mich so anschreist“, ergänzt um „Ja, ich habe Deinen Vorteil abgepfiffen, sorry, aber brüll mich nicht an!“ Ich hatte SCHIIRIIIIII gerufen, und er hatte recht. Immerhin: wir duzten uns fürderhin konsequent. Ist ja auch was.

Kürzlich war das Duzen auch Thema bei den Erben. Am Rande. Viel wichtiger aber war die Mauerfrage. Mir zumindest. Die nach dem Schutz. Was mich zu einem, nun ja, Leserbrief animierte, den die Erben nicht nur in den nachfolgenden Podcast aufnahmen, sondern noch dazu professionell einsprechen ließen. Was dem Sprecher, wenn man den Outtakes Glauben schenken darf, nicht durchgängig Freude bereitete. Aber mir, hinterher. Collinas Erben: Schutzschwalbenskala.

Was mich dabei gleichermaßen irritiert wie bestätigt, ganz am Rande: erneut bedurfte es eines Außenstehenden, um das, was ich in Worte gefasst hatte, ohrentauglich zu machen. Vor allem aber freut es mich, dass Menschen sowas tun. Danke schön.

Und wenn die geneigte Leserin, so sie meinen Links folgt, schon mal drüben bei Collinas Erben und damit bei Fokus Fussball ist, dann könnte sie sich auch noch die Links zum Fußballblog des Monats ansehen. Die Wahl läuft nur noch bis zum 13.11., mein hauchdünner Favorit stammt aus dem Lila Kanal. Ohne jemanden beeinflussen zu wollen. Oder höchstens subtil. Mit Culinos Verben.

Manchmal ist es einfach

Vor dem VfB-Spiel gegen Nürnberg hatte ich zum zweiten Mal das Vergnügen, den Clubfans United, dem Fanmagazin rund um den Club, ein paar Fragen beantworten zu dürfen. Leider schaffte ich es diesmal nicht, den Kollegen meinerseits die eine oder andere Frage zu stellen, was nicht nur angesichts der aussagekräftigen damaligen Antworten bedauerlich ist.

Erneut empfand ich es als sehr angenehm, mich bei den Clubfans zu vielen verschiedenen Themen äußern zu dürfen, von der Lage des Fußballs im Allgemeinen über die Bundesliga im Spezielleren und die Bundesliga-Spielplangestaltung im ganz Besonderen bis hin zum Wesen von Trainerentlassungen und historischen Überlegungen zum besten Fußballer aller Zeiten, die dann auch in den Kommentaren aufgegriffen und vertieft wurden.

Ganz nebenbei sagte ich auch ein paar Sätze zum VfB, und, nun ja, habe diesem einen Absatz nach dem Spiel im Grunde nicht viel hinzuzufügen:

[Clubfans United] Sportlich läuft es bei euch ja so “lala”. Neben zwei Siegen (Braunschweig und Berlin) stehen vor allem Remis. Immerhin aber 12 Punkte, davon träumen wir. Wie schätzt du die Liga ein? Beginnt die Abstiegszone ab Platz 4?

“Empfinde ich gar nicht so, dass es so lala läuft. Was wenig damit zu tun hat, dass Du den Freaksieg gegen Hoffenheim unterschlagen hast, sondern vielmehr damit, dass die drei Niederlagen aus den ersten drei Saisonspielen stammen und die Bilanz nach dem Trainerwechsel drei Siege und drei Unentschieden ausweist. Das finde ich einerseits sehr ansprechend, zum Teil auch über das nackte Ergebnis hinaus; andererseits, und da kommt dann doch wieder “lala” ins Spiel, gelingt es bisher nicht, die Möglichkeiten, noch weiter nach vorne zu rücken, beim Schopf zu packen. Ohne dass man aus meiner Sicht bereits weiter nach vorne gehören würde.

Manchmal ist es eben einfach. Man nimmt ein paar Zeilen, die nicht nur vor dem jüngsten Spiel schon als halbwegs passende Situationsbeschreibung durchgingen, sondern bereits nach dem vergangenen. Und dem vorvergangenen. Aktuell hat der VfB weiter oben noch nichts verloren. Gerade nach dieser Partie, die ich als die schwächste mit Trainer Schneider wahrgenommen habe.

Hinten mag man gelten lassen, dass die aus bekannten Gründen (Sperre, Verletzung) notwendig gewordenen Veränderungen im Verbund mit den aus bekannten Gründen (Spielerkader) eigentlich notwendigen Veränderungen eine geringere Fehlerquote von vornherein nicht zuließen. Negativer Höhepunkt war dabei der gut zwanzigminütige Auftritt von Konstantin Rausch, den ich schlichtweg als verheerend empfunden habe. Vielleicht war er ja übernervös oder übermotiviert, weil er mal wieder eine Chance bekam. Zumindest hoffe ich, dass es daran lag.

Der Torwartwechsel dürfte auf die Abwehrleistung keinen Einfluss gehabt haben; dass er von den Verantwortlichen als völlig selbstverständlich dargestellt wurde, halte ich für eine interessante Randnotiz. Die Stuttgarter Nachrichten hatten denn auch vor Ulreichs Rückkehr nachgefragt und ein paar sportliche Argumente aus dem Trainerteam ins Feld geführt. Woraufhin man eine Lobhudelei auf Ulreich verfasste, der ich, gewissen Zweifeln zum Trotz, inhaltlich in weiten Teilen zustimmen würde.

Was mich stört, ist zum einen die angesprochene Selbstverständlichkeit seitens des VfB, was mich irritiert, dieser Satz in den StN: „Und auch beim Mitspielen nach Rückpässen schlägt Ulreich die Nummer zwei noch um Längen und bringt die Bälle präziser zum Mann.“ Ich kann das nicht nachvollziehen. Nicht einmal ansatzweise. Und irgendwie färbt das auf meine Haltung zum gesamten Text ab.

Dass das kreative Mittelfeldspiel mit Maxim steht und fällt, ist nichts Neues. Klappt ja auch ganz gut, selbst am Freitag, solange seine Kraft reicht. Danach aber tut es besonders weh, wenn Gentner einen eher durchschnittlichen Tag erwischt und auch Traoré nicht sonderlich viel einfällt. Dann ruhen die Hoffnungen des gemeinen VfB-Fans in Sachen Kreativität auf den Schultern der Herren Harnik und Kvist. Und dann ruhen sie eben.

Ernsthaft: ich habe mich sehr gefreut über William Kvists Rückkehr ins Team. Er ist ein wichtiger Stabilisator. Aber man muss dem Umstand, dass sich sein Beitrag zum Offensivspiel, und damit meine ich nicht nur eigene Abschlüsse oder den „letzten Pass“, in sehr engen Grenzen hält, Rechnung tragen. Maxim allein kann das nicht auffangen. Bleibt also zu hoffen, dass Christian Gentner künftig wieder ertragreicher nach vorne spielt und Moritz Leitner an die Eindrücke unmittelbar vor der Verletzungspause anknüpfen kann. Die Alternative würde wohl lauten, Kvists Position doch noch einmal zu hinterfragen.

Jetzt habe ich schon wieder viel mehr geschrieben, als ich eigentlich wollte. Zu lange und zu intensiv habe ich mich über das Spiel aufgeregt, und darüber, wie sehr ich mich beeilt habe, um das Spiel doch noch sehen zu können, inklusive beruflich diskutabler Priorisierungsentscheidungen, um jetzt auch noch so viel Zeit zu investieren. Bleibt also nur noch, Ibisevic zu loben. Für seine Aktion vor dem 2:1, so Martin Harnik getroffen hätte. So geschickt sieht man ihn im Mittelkreis sonst selten agieren. (Außer wenn es darum geht, den Ball abzudecken und zu behaupten, das schon, eh klar.)

Klingt jetzt alles recht negativ, ne? Fühlte sich ja auch so an, weil es einfach keinen Spaß gemacht hat. Und doch bin ich nach wie vor recht entspannt. Nicht nur, weil die Tabellensituation im Grunde seit Wochen unverändert bleibt, sondern weil ich weiterhin ein gutes Gefühl habe. Die Probleme wird man angehen, und zumindest auf den definitiven Außenpositionen bin ich guter Dinge, dass sich auch vernünftige Lösungen finden. Darüber hinaus erlaube ich mir, noch eine zweites Mal auf meine eigenen bei den Clubfans geäußerten Worte hinzuweisen:

„Der VfB ist […] ein ganz anderer Verein als damals. Ein anderer Präsident, ein anderer Aufsichtsratsvorsitzender, ein anderer Trainer, und in jedem einzelnen Fall wurden nicht nur Personen ausgetauscht, sondern, bitte verzeiht das große Wort, Weltanschauungen. Während ich damals eine “latente Unzufriedenheit” ausgemacht hatte, wirkt derzeit alles irgendwie zuversichtlicher und, wie soll ich sagen, leichter. Der Präsident ist allem Anschein nach ein positiver, umgänglicher und doch ehrgeiziger Typ, der Aufsichtsratsvorsitzende scheint willens und in der Lage zu sein, den vom Präsidenten vorgelebten Teamgedanken mitzutragen, und der Trainer beginnt nicht jede öffentliche Äußerung mit einer Klage über die Rahmenbedingungen. Kurz: irgendwie ist alles anders.”

Und zwar besser.

Kindertag und Altherrentour

Wie wir alle wissen und der Volksmund bestätigt, ist nichts so alt wie die Zeitung von gestern. Möglicherweise darf man heutzutage ergänzen, dass Texte zum vorletzten Spiel, noch dazu in einem elektronischen Medium, wie es zum Beispiel ein Blog darstellt, zumindest ähnlich alt sind, tendenziell eher noch etwas betagter. Vom vorvorletzten gar nicht zu reden.

Aber es hilft ja nichts. Die Textfragmente sind nun mal da, und was erst einmal geschrieben wurde, will letztlich auch veröffentlicht werden. Da trifft es sich ganz gut, wenn der Blogbetreiber, hier: ich, nicht der Aktualität verpflichtet ist und das Ganze als eine Art Reisehintergrundbericht (Arbeitstitel) verkaufen kann. Verschenken, um genau zu sein.

Vielleicht darf ich zuvor noch auf zwei persönliche Auswärtsspiele anderer Art hinzuweisen, deren eines ebenfalls längst von der Realität überholt wurde: das Spiel des VfB II beim SV Wehen Wiesbaden, in dessen Vorfeld ich mein überschaubares Wissen zur aktuellen Situation bei den VfB-Amateuren (sic!) drüben in meinem Lieblingsdrittligablog, dem Stehblog, bloßstellen durfte, liegt bereits hinter uns. 1:1, wie die geneigte Leserin weiß, natürlich ohne die von mir im Stehblog genannten Khedira und Lohkemper, was in beiden Fällen nicht ganz überraschend kam.

Zum anderen beobachtete mich Ermittler Dembowski (vom oberlippenbärtigen Peters gar nicht zu reden) beim Showdown in der Kugelbahn und stellte eines völlig zurecht fest: “Kamke sah gut aus.” Er beobachtete, wie es Ermittler eben so tun, auch noch einiges mehr, was man sich meines Erachtens zu Gemüte führen sollte.

Um diesem Text zwischendurch doch kurz, das propagierte Selbstverständnis ignorierend, einen Hauch von Aktualität zu verleihen, sei auf das Spiel des VfB in Braunschweig hingewiesen, von dem ich allerdings so gut wie gar nichts sehen konnte. Der Liveticker des kicker vermittelte mir indes bereits zur Pause, was ich wissen musste:

“Ein engagierter Auftritt der Eintracht, die zur Pause gegen effiziente Stuttgarter unglücklich zurückliegt.”

Effizient kann man ja so und so sehen. Ich betrachte es in aller Regel als gelungenen Euphemismus. In diesem Sinne hatte ich mir eben das vorgestellt: einen effizienten Sieg gegen die Braunschweiger, denen ich nach eigener Anschauung in Hamburg die Konkurrenzfähigkeit im Grunde abgesprochen hatte. Womit ich gewiss, und durchaus zu meinem Bedauern, nicht alleine dastehe. Wenn nun die Stuttgarter Nachrichten mit “VfB trumpft groß auf” aufmachen, dann, nun ja, ist das möglicherweise Ansichtssache.

Dessen ungeachtet: schön, dass es dann doch noch deutlich wurde, und wunderbar, dass sich Traoré wieder gefangen hat nach, ja, wonach denn? Ist es tatsächlich denkbar, dass sein bitterer Ballverlust, der das Ausscheiden gegen Rijeka quasi besiegelte, ihm so lange zu schaffen machte, ihn hemmte und verunsicherte? Oder machte er eher dem Trainer zu schaffen, der ihm danach die eine oder andere “Denkpause” verschrieb, die hierzustadte erfreulicherweise anders als in Gelsenkirchen nicht gleich “Suspendierung” genannt wird? Wie auch immer: fünftbeste Offensive, hey, hey!!

Dass die Braunschweiger Fans für ihre beeindruckende Anfeuerung bei aussichtslosem Spielstand, vielleicht bereits, auf die Saison bezogen, auf verlorenem Posten stehend, landauf, landab gefeiert werden, ist verständlich und berechtigt. Grundsätzlich. Und doch mutete es, wäre es nicht so traurig und vielmehr begreinens- und protestwürdig, wie ein Treppenwitz an angesichts der schwer zu fassenden vereinspolitischen Groteske, die sich in diesen Tagen abspielt und die die taz, soweit ich die Geschehnisse aus der Ferne beurteilen kann, in der ihr eigenen Art und überraschend gemäßigter Sprache inhaltlich angemessen deutlich kommentiert.

Zurück zum Ausgangspunkt und damit in die aktualitätsfreie Zone: zwei VfB-Spiele live und in Farbe innerhalb weniger Tage. Und vor Ort. Hatte ich auch schon ein Weilchen nicht mehr. Zuerst in der Bundesliga gegen Frankfurt, dann im DFB-Pokal in Freiburg. Und sie waren grundverschieden. Von den Rahmenbedingungen her, meine ich. Sportlich haben sie sich gar nicht so viel geschenkt. Nicht zuletzt traf man in beiden Fällen auf einen Gegner, dessen Fußball mir, wäre ich neutral gewesen, deutlich mehr Spaß bereitet hätte als der des VfB.

Weshalb ich mich erst einmal kurz mit den schönen Seiten befassen will. Mit dem kurzerhand geschaffenen Familienblock gegen Frankfurt. Plötzlich und unerwartet (die älteren LeserInnen werden sich an den Durbridge-Straßenfeger erinnern) befanden sich in unserem Block auf engstem Raum etwa acht Kinder im Vor- oder jungen Grundschulalter, die ihre Papas und in Einzelfällen auch ihre Mamas zum Spiel begleiten durften und dabei den Eindruck einer konzertierten oder gar inszenierten Aktion erwecken konnten.

Womit grundsätzlich eine veronafeldbuscheske (so hieß sie damals noch, als das relevant war) Überleitung zur fanseitigen Inszenierung des 120. VfB-Geburtstages gelungen wäre. Ich kann nur nicht so viel drüber sagen, man hat dann ja doch eher eine Art Schild vor dem Kopf und sieht nicht so viel von der Choreographie, die aber überaus gelungen gewesen sein soll. Quatsch, war! Natürlich habe ich sie mir hinterher auch angesehen. Ich ziehe meinen Hut vor all jenen, die sehr viel Zeit, Mühe und gewiss auch Geld investiert haben. Den Kindern hat es übrigens auch großen Spaß gemacht. Zumindest solange sie die Arme mit hochhalten konnten. Danach durften einzelne Papas, konkret kann ich nur für einen sprechen, quasi Doppelhalter spielen.

Irgendwie taten die Kinder der Atmosphäre gut, der eine oder die andere mag sich etwas länger überlegt haben, ob man die Gäste als “Hurensöhne” feiern solle oder nicht. Die Präferenzen waren allerdings hinreichend klar verteilt, um (vermutlich nicht nur) mir Gelegenheit zu geben, die Nein-mein-Kind-jetzt-nicht-Karte zu ziehen, um eine nicht ganz triviale Begriffsklärung bis auf Weiteres zu verschieben. Schließlich ginge es nicht nur um die Definition an sich, sondern auch um den grundsätzlichen Umstand der Verwendung im Fußballkontext. Im Quasi-Familienblock. Immerhin: die heimische Nachfrage bei anderen Familienmitgliedern scheiterte an der etwas undeutlichen Akustik im Neckarstadion.

So sehr es mir Freude bereitet, immer wieder Kinder im Fanumfeld zu sehen, und so sehr ich es genieße, meinen eigenen Sohn mitunter dabei zu haben, so argwöhnisch sehe ich mir die so sozialisierten Kinder auch immer wieder an. Bloß weil vor einigen Jahren ein Kind bei uns im Block stand, das unter väterlicher Begleitung – die mir persönlich deutlich weiter von bloßer Billigung entfernt zu sein schien als von aktiver Hinführung bis hin zur Anfeuerung – nach Möglichkeit immer ganz vorne dabei war, egal ob es um ein bloßes “die Hände!” ging oder auch um Verunglimpfungen des Gegners. Kann man mögen. Muss man nicht. Ich würde ihn schon gerne mal wieder sehen, einfach der Neugier wegen.

Das Spiel war eher so lala. Der Meistertrainer hatte seine Frankfurter gut eingestellt, bis zu deren Führungstreffer sah der VfB keinen Ball, die Gäste bestimmten – wie schon in der Vorsaison, und wie damals mit einem stets anspielbaren und nie um eine gute Lösung verlegenen Sebastian Rode – die Partie, der Stuttgarter Ausgleich fiel glücklicherweise recht früh und wäre kaum einer Erwähnung wert gewesen, wenn es sich nicht um den Debüttreffer von Timo Werner gehandelt hätte, der das Stadion tatsächlich ein bisschen erbeben ließ.

War Werners eigene Freude bereits explosiv, so vermochten all jene Fans, die wir ihn spätestens seit Saisonbeginn adoptiert, im Grunde aber bereits seit Jahren seinen Weg als vorgezeichnet betrachtet hatten, diesen Ausbruch noch um ein Vielfaches zu steigern. Schon schön.

Ach, und dann war da ja noch diese Elfmetersache. Und die Abseitsstellung, mit der er den Führungstreffer ungültig machte. Und der – selbst großartig erarbeitete – Fehlschuss allein vor dem Tor. Da wäre der Elfer in der Tat ein schönes Happy End gewesen. Tja. Dem Spielverlauf entsprach das 1:1 ganz gut.

Drei Tage später fuhren sechs ältere Herren in drei Zweierreihen gen Freiburg. Bzw. sie wollten es. Gemächlich. Dumm nur, dass einer der sechs in einem beruflichen Termin gefangen war. Und dass dieser Herr, nennen wir ihn der besseren Lesbarkeit wegen Heinz, die Karten hatte. Also vier davon. Dass die anderen beiden noch fehlten, hatte ja im Vorfeld keiner zu wissen brauchen.

Etwa zu der Zeit, als Heinz den Termin rennend verließ, hätte er bereits gut 30 Minuten weiter südlich auf die anderen treffen sollen. Er verschickte ein paar zerknirschte Kurznachrichten, prüfte die Stau- und erfrug die Ticketsituation, beides eignete sich nicht, eine Besserung der Laune herbeizuführen, und fuhr mangels Alternativen geradewegs in den Feierabendverkehr. Nach wenigen Minuten blieb festzuhalten, dass alles noch viel schlimmer war, zumindest nahm er es so wahr, und er erinnerte sich kurz an Rudi Völlers Tiefpunkt-, ähem, Klimax.

Seine Sorgen erwiesen sich letztlich, wie man im entspannten Rückblick immer leicht sagen kann, als panikartig übertrieben, die Mitfahrer wirkten bei seiner Ankunft noch überraschend gelöst, was zum Teil antrainiert gewesen sein mag, zum Teil auch dem Umstand geschuldet, dass ihnen das Ticketdefizit noch nicht bewusst war, oder sie waren einfach cooler als er. Wie sonst ließe sich erklären, dass sie ihn erst noch einmal losschickten, um etwas zu essen zu holen?

Die Fahrt war erquicklich, die Kühltasche gefüllt, die von einem Mitspieler in Aussicht gestellte einstündige Baustellenverzögerung erwies sich als Schimäre (Bingo!), die Parkplatzsuche in Freiburg gelang. Blieb die Ticketfrage. Der großartige Herr @zugzwang74, Freiburger Vereinsmitglied, hatte sich um zwei Karten für den Feind (er selbst würde gewiss nicht so formulieren, was zu besagter Großartigkeit beiträgt) verdient gemacht und diese sogar, gegen seine eigene Überzeugung, an die Grenze zum Gästebereich platziert (er selbst war leider verhindert). Dumm nur, dass sein Verein nicht lieferte.

Wir haben alle schon unsere Erfahrungen mit der Post und ihren privaten Wettbewerbern gemacht. Auch negative. Und doch halten wir es, hatte es auch Heinz für unvorstellbar gehalten, dass zwei Karten, die der SC Freiburg an einem Dienstag in Rechnung stellte, dass also ein vermeintlicher Standardbrief nicht bis zum Mittwoch der Folgewoche in Stuttgart zugestellt würde. Tja. War aber so.

Und was Heinz vor allem nicht für möglich hielt: dass die schriftliche Beschwerde eines Vereinsmitglieds (über die vorausgegangene fernmündliche wollen wir nicht weiter reden), die am Vorabend des Spiels mit einem „EILT“-Vermerk und zahlreichen Ausrufezeichen im Betreff an mehrere Empfänger bei besagtem Verein gesandt wurde, bis zur Mittagszeit keinerlei Reaktion hervorrufen würde. Er hielt das, und an der Stelle schließe ich mich ihm gerne an, bin gar geneigt, mit ihm zu einer Person zu verschmelzen, für hochgradig unprofessionell und die eigenen Mitglieder nur so halb ernst nehmend.

Naja, vielleicht übertreibe ich ein wenig. Zum einen, weil vor Ort dann ja alles ganz gut klappte. Wir kamen recht knapp an, doch am dann doch noch per Mail angekündigten Ort, wo wir Ersatztickets bekommen sollten, hielt sich der Andrang in Grenzen, sodass auch der Umstand, dass wir nicht in der Kartei der Nachlöser erfasst waren, keine weiteren Probleme bereitete. Falls übrigens jemand neuwertige Karten für das DFB-Pokalspiel Freiburg-Stuttgart brauchen sollte: ich hätte einen bestens erhaltenen Satz im Angebot, sie kamen am Tag nach dem Spiel hier an.

Zum Spiel gibt es aus meiner Sicht nicht allzu viel zu sagen. Hätte es vielleicht gegeben, wenn Bruno Labbadia noch Trainer wäre. Dann hätte ich mich vermutlich über die Aufstellung gewundert. Nein, nicht gewundert – geärgert. Darüber, dass man es tatsächlich mit einem 4-4-2 versucht und die Frage, wer dann für ein Mindestmaß an Kreativität im Offensivspiel sorgen soll, getrost dem lieben Gott überlässt.

Insbesondere dann, wenn Christian Gentner en vogue sein und einen herauskippenden Sechser geben soll. Was ja grundsätzlich keine dumme Idee ist, wenn man spielstarke Aufbauspieler in der Innenverteidigung oder auch auf den offensiven Außenpositionen hat. Tja. Wenn. Beim VfB entsteht indes ein Vakuum in der Spielfeldmitte, das sich dann gerne mal mit langen Bällen überwinden lässt. So diese langen Bälle ankommen und behauptet werden können. Was am Mittwoch selten der Fall war.

Wäre Labbadia noch hier, hätte ich wohl auch lautstark gewettert, was denn Konstantin Rausch auch nach der Pause noch auf dem Platz wolle? Schließlich war nicht davon auszugehen, dass Freiburg auch in der zweiten Hälfte darauf verzichten würde, das nächste halbe Dutzend an Situationen ungenutzt verstreichen zu lassen, in denen man völlig unbehelligt über rechts in den Strafraum eindringen und mehr oder weniger überlegt zur Mitte passen darf. So schnell kann’s gehen, dass man doch eher rasch versteht, weshalb das vermeintlich personifizierte Sicherheitsrisiko Boka zuletzt stets spielen durfte: er ist nur die Zweitbesetzung. Das weniger gravierende Risiko, wenn man so will.

Möglicherweise hätte ich auch über Abdellaoue geschimpft, der auch auf dem Platz gewesen sein soll, und darüber, dass Labbadia nicht so recht wisse, was er mit ihm anfangen soll, wieso bzw. unter welchen Vorzeichen er ihn überhaupt geholt habe. Und unter Umständen hätte ich auch noch darauf hingewiesen, dass der Druck, der über die Außenpositionen ausgeübt wird, nach wie vor nur bei Verwendung sehr empfindlicher Geräte in die Randgebiete des messbaren Bereiches gelangt. Obwohl sich dort Spieler tummeln, die das könnten oder auch schon mal konnten.

Labbadia ist aber weg, Schneider noch nicht lange da, und so fasle ich ein bisschen was von einer Hypothek, die der alte Trainer im Zusammenspiel mit der alten Vereinsführung hinterlassen habe, um mich dann auf die Feststellung zu beschränken, dass das Kommunikationsverhalten der Trainer rund um das Pokalspiel verbesserungswürdig war.

Was ich von der Vokabel “Hass” auf und neben dem Fußballplatz halte, habe ich bei der einen oder anderen Gelegenheit zum Ausdruck gebracht, was ich von verweigerten Handschlägen halte, dürfte sich von selbst verstehen, und die Beteuerung, dass jemand Entschuldigungen immer annehme, verleiht dem Einzelfall eine gewisse Beliebigkeit. Tatsächlich ganz amüsant fand ich indes die Unfairness-Anekdote und hoffe inständig, dass nicht sie den Auslöser für die nachfolgenden diplomatischen Verwicklungen darstellte.

Was mir imponierte: wie Christian Streich seine Mannen in der 88. Minute bei eigener Führung und eigenem Einwurf zur Eile antrieb, weil sich möglicherweise eine Lücke im Stuttgarter Deckungsverbund aufgetan hatte. Und wie die Mannschaft sich daran hielt.

Gefühlt, wie man so schön oft sagt, spielten sie einander den Ball just in jener Szene weit in der gegnerischen Hälfte so oft und so schnell und mit so viel Zug zu, wie es dem VfB im ganzen Spiel nicht am Stück gelungen sein dürfte, außer vielleicht von Schwaab zu Rüdiger zu Sakai zu Rüdiger zu Schwaab zu Rausch zu (beliebiger Freiburger Spieler) zu (hoffentlich) Kvist zu Schwaab zu Rüdiger zu Sakai zu Ballvertändler Harnik zu (beliebiger Freiburger Spieler) zu Balleroberer Harnik zu Sakai zu Rüdiger zu …  ach, Verzeihung. Meist war da aber längst der lange Ball gekommen.

Die Heimfahrt war ein bisschen anstrengend. Frustrierend, möchte man sagen. Aber in angenehmer Gesellschaft. Und mit Überlegungen zur nächsten Fußballfahrt älterer Herren.

Das Dromedar passte einfach nicht in die Teekanne

Irgendwann in grauer Vorzeit verbrachte ich einige Zeit an einer Hochschule in Frankreich. Der geneigten Leserin ist natürlich bewusst, dass Marseille eigentlich gar nicht zu Frankreich gehört, der nicht geneigten ist es egal, sodass ich es bei dieser Vereinfachung belassen möchte. Zumal der Ort des Geschehens für die nächsten Zeilen nicht von Relevanz ist, da in allererster Linie die französische Sprache Gegenstand der Betrachtung sein wird, die – mancher mag es bedauern – auch ganz im Süden Amtssprache ist.

Jene Hochschule bildete sich einiges auf ihre Internationalität ein und lockte Studierende aus mancher Herren (w/m) Länder an, die wiederum mit recht heterogenen Vorkenntnissen der französischen Sprache ausgestattet waren. Der Besuch eines Sprachkurses war obligatorisch, den Unterricht hielt eine attraktive jüngere Dame, was indes nicht ausschlaggebend dafür gewesen sein dürfte, dass meine englischen Kommilitonen ihr bei jeder passenden oder auch unpassenden Gelegenheit musikalische Jane-Birkin-Zitate zuhauchten.

Der Unterricht war eher unspektakulär, um nicht zu sagen: langweilig, und vermutlich hätte ich ihn längst vergessen, wenn es nicht diese eine, etwas länger nachhallende Wahrnehmungsdiskrepanz zwischen uns beiden gegeben hätte. Aus heutiger Sicht will ich gar nicht bestreiten, dass sie vermutlich recht hatte; damals aber erschien es mir ziemlich, wie sage ich das jetzt am besten, doof, einen Lückentext über ein beliebiges Thema zu erstellen.

Wobei „Lückentext“ die Sache nicht trifft; vielmehr war, betrachtet man die prozentuale Verteilung von Lücken und Text, das Gegenteil der Fall. Man sollte also einen Text um einige vorgegebene Worte herum schreiben. Bei diesen Worten bzw. Wortkombinationen handelte es sich indes nicht um einzelne Begriffe, die dem Text einen inhaltlichen Rahmen geben würden, sondern vielmehr um Konjunktionen, Fügungen, idiomatische Wendungen.

Nichts Besonderes also, und zweifellos eine gute Übung für Leute, die sich in einer Sprache vernünftig ausdrücken wollen, vermutlich auch in der eigenen. Weshalb mich diese (Haus-) Aufgabe so störte, kann ich gar nicht mehr so genau sagen; ich weiß noch, dass wir eine andere, sozusagen: ernsthafte Klausur vor Augen hatten, dass mein Zeitplan ohnehin recht voll war, und dass, so ehrlich will ich dann ja auch sein, ich (selbstgefällig rückblickend: möglicherweise zurecht) der Meinung war, der Großteil der zu betrachtenden Wendungen sei ohnehin Teil meines aktiven Wortschatzes. Meine Missfallensäußerungen fruchteten nicht, sie wurde ungewohnt schmallippig und klar in ihrer Ansage.

Also fertigte ich, möglicherweise nicht in einem Zustand völliger Gelassenheit, einen entsprechenden Text an. Er trug – sinngemäß, genau bekomme ich es nicht mehr zusammen – den Titel „Die Bedeutung von Kreuzworträtseln im Sprachunterricht“ und dürfte bei meinen Eltern auf dem Dachboden liegen. Die Argumentation war möglicherweise ein bisschen lückenhaft, die Sprache direkt, der Tonfall in Ansätzen rotzig. Wir sprachen danach eine Weile gar nicht mehr so herzlich miteinander.

Vermutlich hatte ich seither ein latent schlechtes Gewissen. Excusez-moi, Stéphanie! So nahm ich also 20 Jahre später den unverhofften Auftrag des geschätzten Herrn @DerUebersteiger gerne an, auch wenn ich die offene Rechnung mit mir selbst auf diesem Wege nur in Ansätzen begleichen würde:

Ein Text zu einer vorgegebenen Überschrift also. Einer Überschrift, die anders als die damaligen Satzverknüpfungen und Übergänge durchaus ein gewisses inhaltliches Schlaglicht setzt. Wer an dieser Stelle einwenden möchte, dass ein Metatext, wie er sich seit ein paar (also allen) Zeilen andeutet, nicht Sinn der Sache sei, mag recht haben. War auch gar nicht geplant.

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: ich tat mich ein bisschen schwer mit dem Sujet. Natürlich lag der Gedanke nahe, etwas über Kamele und Nadelöhre zu schreiben, um dann einen formvollendeten Bogen hinüber zu Dromedaren (leicht!) und Teekannen (so mittel) zu schlagen. Allein, es misslang.

Misslungen ist auch der Versuch, einfach die Assoziationen wirken zu lassen. Die erste war eine schöne, aber auch sie brachte mich nicht weiter: „Tee im Harem des Archimedes“. Sie erinnern sich, damals in den 80ern? Ein paar Jahre vor den Beduinen von Paris, lange vor La haine. Natürlich auch ganz anders. Aber eben irgendwie so, wie man sich, kulturell beflissen, den französischen Film an sich vorstellte. Kein Grand Bleu, keine Visiteurs, auch kein Belmondo mehr. Sozialkritisch, und gut.

Das mag jetzt ein bisschen flapsig geklungen haben, war aber gar nicht so gemeint. „Tee im Harem des Archimedes“ liegt auch nach wie vor zuhause herum, nicht auf dem elterlichen Dachboden, sondern bei uns daheim. Allerdings müsste ich wohl erst ein VHS-Abspielgerät organisieren. Dann könnte ich wenigstens auch die ganzen Kaurismäki-Filme mal ansehen. Oder Stop Making Sense oder Monterey Pop. Polanskis Macbeth vielleicht, oder was ich sonst noch nie zu Ende sah.

Mist, die Kurve wieder nicht  bekommen. Also, fürs Protokoll: Tee im Harem des Archimedes fand ich ganz großartig. Ich bezweifle nur, dass mir das, einer gewissen, hoffentlich auch für Außenstehende ersichtlichen (wenn nicht: egal, sind ja meine Assoziationen) Sinnfreiheit Ähnlichkeit bei der Namensgebung zum Trotz, nicht so recht weiterhelfen wird. Wer soll denn bei „Dromedar“ was falsch verstanden haben, bzw. was? Rommedahl? Teekanne statt Cezanne? Oder gar Zidane à la Völler? Der Rommedahl passte einfach nicht zu dem Zidane?

Bisschen weit hergeholt, ne? Weiß schließlich jeder, dass der Spieler, der nicht zu Zidane passt, den Zidane nicht besser macht, nicht geboren wurde. Selbst Materazzi machte er zum finalen Matchwinner.

Meine Güte, was erzähle ich hier? Ich sollte es an dieser Stelle bewenden lassen. Korrekter: hätte es etwa dreizehn Absätze früher tun sollen. Noch besser: drei Sekunden, nachdem ich den Übersteiger’schen Auftrag erhalten hatte. Zu spät. Und auch wenn ich hoch und heilig verspreche, beim nächsten Mal keine selbstbezogene Metadiskussion anzuzetteln, so befürchte ich doch, dass eines klar ist:

Eher passt ein Dromedar in eine Teekanne,
als dass der Übersteiger den Kamke noch einmal beauftragt.