einundzwanzig/zwanzigsiebzehn

Nicht einer war’s, nicht zwei, nicht drei, nein: vier,
die’s im Finale fürchterlich verkackten,
auf engem Raum das Tempo nicht mehr packten.
So mancher dachte an ein Lastentier.

Sie scharrten mit den Füßen wie so’n Stier
und legten sich in einer arg vertrackten
Gemengelage selbstlos zu den Akten.
Die Nummer fünf bedankt sich fürs Spalier.

Er siegte über all die jungen Spunde,
die zweifellos viel schneller warn. Im Grunde.
Doch Obacht! Dass Ihr Euch im Klaren seid:

Zehn Jahre und paar Runden drauf gewartet,
ist er bereits zum dritten Mal gestartet –
gewann verdient und mit Erfahrenheit.

______________

Hintergründe zum Kalender.
Über Kommentare zu den Sportler_innen und ihren Sportarten würde ich mich freuen. Sie blieben aber zunächst verborgen. Spannung und so.

Wer Probleme hat, überhaupt zu kommentieren (ja, das passiert leider öfter mal), ist herzlich eingeladen, mir seinen oder ihren Kommentar per Mail an blog at heinzkamke.de oder auch per Twitter-DM zu schicken. 

23 Gedanken zu „einundzwanzig/zwanzigsiebzehn

  1. Ich dachte zunächst an 110 m Hürdenlauf. Ich Esel. Dann dämmerte es mir, es können auch mit Schnee zu tun haben. Langlauf Sprint könne es sein. Aber dann wurde es endgültig hell. Nordische Kombination 2014. Fünf Mann in einer Spitzengruppe, darunter mit Rießle, Kicheisen und Rydzek drei Deutsche, von denen sich Rießle und Rydzek ins Gehege kamen und einen Sturz verursachten. die beiden Norweger Graabak und Moan sagten Danke für Gold und Silber.

  2. Sehr geehrter Herr Kamke,

    in meiner Nachricht vom 17. d. M. schrieb ich Ihnen bereits, die Antworten zu den verbleibenden Rätseln bereits recherchiert zu haben. Denn schon vor fünf Tagen kamen mir (damals verfrüht) Assoziationen zum heute gesuchten Verkacken. Mit den Worten eines großen Poeten:
    Es handelt sich um einen lang verjährten
    Versuch, sich selbst in einem großen Rennen
    von seinen Konkurrenten klar zu trennen –
    die sich darob nicht sonderlich beschwerten.
    Manch einer unterstellt ihm Größenwahn:
    Er ließ sich Zeit, in einem schnellen Sport.
    Passt alles. Somit heute sofort und aus dem Kurzzeitgedächtnis: Stephen Bradbury. Eine der besten Sportgeschichten ever.

    Grüße!

  3. Einfach wunderbar, wenn man beim Lesen sofort die Bilder vor Augen hat. So macht der Adventskalender am meisten Spaß!
    Salt Lake City 2002:
    Im Shorttrack Finale räumen sich 4 Läufer in der letzten Kurve gegenseitig ab und der eigentlich abgeschlagene Australier Steven Bradbury erbt Gold.

  4. „vertrackt“ – Auf dass es auch der Dümmste merkt. Also ich. 🙂

    2002 gewann Steven Bradbury – ich kann mir besonders den Nachnamen aufgrund einer gewissen Ähnlichkeit zu einer Schokoladenmarke sehr gut merken – Olympia-Gold im Short Track, nachdem seine vier Konkurrenten im Finale allesamt stürzten.

    („Erfahrenheit“ ist übrigens auch wieder mal einer dieser Hinweise auf Meta-Ebene, für den ich Dich grenzenlos schätze und ich sehr froh bin, ihn überhaupt als solchen erkannt zu haben.)
    (Ach, und eines noch: Fuhr damals nicht auch ein „Ohno“ mit? Und es gibt kein Wortspiel dazu? Püh.)

  5. Den Sport und die Szene hatte ich sofort vor Augen. Shorttrack. Und ausgerechnet der Mann aus d e r Wintersportnation Australien holt Gold. Den Namen musste ich googeln.
    Steven Bradbury liegt im Rennen aussichtslos hinter seinen Konkurrenten zurück. Das ist sein Glück. Als die sich in der letzten Kurve alle gegenseitig von den Füßen holen, fährt Bradbury ganz entspannt zu Gold. Die genauen Daten zu dem Ereignis haben längst die Profis hier geliefert.
    Mir gefiel bei der Recherche der Name seiner Autobiographie außerordentlich gut: „Last Man standing“. Und die Tatsache, dass die Australier für unverhofft gelungene Aktionen offenbar die Floskel „doing a Bradley“ verwendet.

  6. Shorttrack. Die Szenerie ist noch gut vor Augen. Vorne streiten sich 4 um die Goldmedaille … und stürzen. Der lachende Fünfte zieht vorbei und gewinnt. Aber wer war das? Der Ami mit dem japanischen Namen, der mir partout nicht einfällt? Viel mehr Shorttracker sind mir ohnehin nicht geläufig. Google verrät: Steven Bradbury aus Australien. Der Ami Ahno, ahja, war nur unter den Gestürzten, aber immerhin noch Zweiter im Ziel.

  7. Mein erster Gedanke: Bobfahren, Cool Runnings, der Sturz von Bob Jamaika bei der ersten Olympia Teilnahme in Calgary 1988.

    Wenn die Legende aus dem Film stimmt, trugen die Jamaikaner dann den Bob durch den Spalier ins Ziel.

    Die Jamaikaner sind danach noch mehrfach gestartet, haben aber nicht so viel gewonnen, weswegen ich an der Lösung zweifle…

  8. Es geht um Shorttrack – der Hinweis mit dem Wort „vertrackt“ ist überdeutlich. Ein Starter, der eigentlich schon abgeschlagen war, gewinnt, weil sich die Läufer vor ihm allesamt abräumen und in der Bande landen.

    Wenn ich mich recht erinnere, in einem Finale bei den Olympischen Spielen. Aber wann und wer? Ein weiteres Rätsel, bei dem ich Bilder vor meinem gestigen Auge habe, aber die Lösung nicht benennen kann.

  9. 5 Starter in einem temporeichen Finale auf engem Raum – das klingt mir sehr nach Short Track. Laut Google gewann 2002 im 1000m-Finale Steven Bradbury, nachdem alle anderen Favoriten gestürzt waren (worauf er wohl gewartet hat, weil er zum einen aufgrund seines Geschwindigkeitsdefizits und zum anderen zwecks Sturzvermeidung hinterhergefahren war). Mit dieser Taktik hatte er auch schon die beiden vorherigen Runden überstanden. Darauf bezieht sich möglicherweise „zum dritten Mal gestartet“, vielleicht aber auch auf die dritten Olympischen Spiele, da er 1992 nur Ersatzmann des Teams war – und so ergeben dann auch die 10 Jahre einen Sinn (hoffentlich). Jedenfalls deutet die Konstellation 1992/94 darauf hin, dass es um diese Periode gehen muss.

    Oder es ergeht mir so wie neulich beim Golfen und das gab’s so ähnlich noch ein weiteres Mal – was ja bei Short Track nicht unmöglich wäre.

    I hope I did a Bradbury… Und wundere mich immer wieder, welch wunderbare Geschichten ich entweder nicht mitbekommen oder schon wieder verdrängt habe.

  10. Steven Bradbury, Australier. Gold im Short Track SLC2002 als er zwar abgeschlagen war, aber vor ihm eine menschliche Bowlingkugel die 3 anderen Konkurrenten abräumte und er deshalb als Sieger ins Ziel kam.
    Bin ich der Einzige, der Short track nur in der Erwartung schaut, dass die sich hinpacken?

  11. Es schreiben die Gazetten unisono
    bevor auf kurzem Eis das Rennen steigt:
    So er es denn nicht kurz vor Schluss vergeigt –
    gewinnen wird Apolo Anton Ohno.

    Der Wettkampf selbst läuft dann auch eher mono
    thematisch ist der Standard angezeigt:
    Nur wer sich in der Kurve richtig neigt,
    wird schließlich stehen bleiben. Cui bono?

    Die Gold´ne hat er fast schon eingesackt,
    als Ohno einer bei der Schulter packt,
    worauf sich vier von fünf vom Eis entfernen.

    Drum woll´n wir eins aus Salt Lake City lernen:
    Es ist bei dieser Sportart stets vertrackt –
    Bradbury siegte, weil der Rest verkackt.

    Auf diese Episode der Sportgeschichte habe ich ja ehrlich gesagt den ganzen Kalender über schon gewartet. Der Klassiker von Salt Lake City 2002, als das 1000 Meter Finale im Short Track der Herren an Steven Bradbury ging, der in der Wintersportnation Australien zum Volkshelden aufstieg – weil sämtliche Kontrahenten, unter ihnen Topfavorit Apolo Anton Ohno aus den USA, sich in der letzten Kurve vom Eise befreien und zusehen müssen, wie schnell einem so eine Goldmedaille entgleiten kann. Oder zufallen, wenn man es aus des Australiers Perspektive betrachtet.

    Noch dazu heute ein paar wunderbare, kleine Anspielungen im Rätsel. Die Er-fahrenheit hat mir besonders gut gefallen. Ich habe mir erlaubt, in den Terzetten näher darauf einzugehen…

  12. Bei mir gibt’s heute keinen Braten,
    ich koche lieber Mett-Curry
    zur Feier, denn ich hab erraten:
    Es geht um Steven Bradbury.

  13. Please ignore my ignorance to the field,
    aber Shorttrack olympisch, da komm ich nicht mit klar.
    Letztes Jahr habe ich schon den Ahn verkackt, jetzt den Bradbury nur übers Nachbarbüro lösen können.
    Merke mir jedoch, dass er bei einem Sturz in den 90ern auf der Bahn 4 Liter Blut verlor und die Wunde mit 111 Stichen genäht wurde.

  14. Keinen blassen Schimmer. Mal wieder. Es ist frustrierend, nachdem die ersten Dezembertage so erfolgreich verliefen. Naja, Kräfte und Konzentration für den Endspurt bündeln…

  15. Da war mal dieses schnelle Eislaufen mit Rempel-Erlaubnis, da haben sich dann am Ende die vorne liegenden gegenseitig weggeräumt und der verbliebene jubelte entspannt und allein.
    Ist das heute gesucht? Ansonsten bin ich (wie so oft) ratlos.

  16. Mein traditioneller Harenberg Kunstkalender, der Jahr für Jahr auf meinem Schreibtisch steht, zeigte heute das wunderschön ironische Bild aus der Scottish National Galery in Edingburgh „The Reverend Robert Walker Skating on Duddingston Loch“ von Henry Raeburn. (Gerne googlen, es folgt auch noch ein Bild auf Twitter). Der reverend gleitet versonnen über einen grauen schottischen See, wundervoll und bei einem Schottlandbesuch unbedingt zu besuchen. So war das Rätsel dann kein Problem:

    Ganz so besinnlich elegant geht es beim Short Track nicht zu, diesem seltsamen Nahkampfeisschnellauf, der irgendwann ab Ende der 90er verstörend in meine Wahrnehmung trat. Dass es sich um diesen Sport handelt war schnell klar. Und dass sich dabei gelegentlich slapstickartig ein paar Kombatanden gegenseitig abräumen kommt auch öfters vor. Die bilder sind bekannt, wann aber das beschriebene spektakuläre Ereignis geschah bedurfte aber doch ein wenig Recherche.

    2002 bei den Spielen in Salt Lake City fuhren beim Finale über 1000 meter die fünf Finalisten dynamisch durch die Kurven, wobei sich der rutinierte Australier Steven Bradbury (bewusst?) ein wenig Abstand nach vorne hielt. Wie es kommen musste haben sich die anderen 4 Konkurenten alle in der letzten Kurve lang gemacht. Zuerst rutschte einer weg, dann räumte ein weiterer Sturzpilot gleich die letzten zwei mit ab, so dass der gute Steven locker an allen vorbei zum ersten Gold für Australien bei Winterspielen glitt. Der zweite, der Herr Ahn (bekannt vom vergangenen Jahr) rutschte irgendwie mit der kufe voran auf Platz 2.

  17. Weihnachten ist vieles, nicht zuletzt zeitintensiv. Musste ich mir bei meinem gestrigen Auflösungskommentar eingestehen, und auch heute wird’s sowohl bei der einen oder anderen Antwort (mit bemerkenswerten Ausnahmen!) als auch bei der Auflösung deutlich.

    Hier also der Schnelldurchlauf:
    Vier haben(’s) verkackt. Und weil in meinem Kopf der Sieger im Mittelpunkt stand, war ich auch lange unschlüssig, ob ich es überhaupt als Verkackerei behandeln und hier festhalten solle. Aber es war halt zu schön. Also für den einen. Und uns Zuschauer.
    Es gab ein Finale, Tempo war auch im Spiel (schon wieder, @marktwain64!), eng waren das Rennen wie dessen Austragungsort. Und das Lastentier, dem ich, hätte es die Metrik zugelassen, gerne ein “sprichwörtliches” vorangestellt hätte, um deutlicher auf den Esel hinzuweisen, der sich aufs Eis begibt.

    Das Scharren der Füße ist auch ein sprichwörtliches, findet sich aber zumindest in meiner wilden Fantasie auch beim, genau, Eisschnellläufer in seiner Starthaltung wieder. Kann man drüber streiten. Vertrackt, da war ich mir ja gar nicht so sicher, ob es so offensichtlich sei, aber da lasst Ihr Euch schon lange nichts mehr vormachen. Die vier legten sich hin und damit statistisch mehr oder weniger zu den Akten, der fünfte glitt als “Last Man standing” (Ja, der Titel seine Autobiographie ist sehr schön!) lässig ins Ziel, die anderen lagen Spalier.

    Die anderen waren jünger und schneller, er war seit langem dabei, und es war genau so gemeint, wie @SD es interpretierte (und wie es beispielsweise @sport_thies irritierte): 10 Jahre zuvor war er erstmals bei Olympia (war dort aber Ersatzläufer ohne Start), 92/94 muss mit drin sein, und dass er nicht seine Erfahrung spielen lässt, sondern die Erfahrenheit, ist in der Tat kein Zufall, wie @rebiger und vor allem @lurchmolch sehr explizit zum Ausdruck bringen: Fahrenheit, Sie wissen schon, Ray Bradbury (hier nicht Malcolm, @chrisprech), Fahrenheit 451, und hier geht es eben um Steven Bradbury, Olympiasieger 2002 im Shorttrack über 1000m, die Konkurrenz, allen voran Apolo Anton Ohno, schwächelte. Der Verzicht auf seinen Namen, lieber @rebiger, war tatsächlich dem Umstand geschuldet, dass er schlichtweg DAS Gesicht (wird ja auch bei @Asgeirsson deutlich) dieses Sports ist, vielleicht neben Wiktor Ahn (Oh, Rio Laago, was soll ich sagen?!), den wir hier letztes Jahr hatten – und der deutlichen Hinweise gab es ja schon genug.

    @Dotkor_D: Mensch, Du schreibst von einem Esel und landest doch nicht auf dem Eis! Aber ich sehe die Parallelen und finde vor allem, dass die Kombinierer-Story wirklich eine sehr gute ist, die hervorragend hierhin gepasst hätte. Stand auch auf meiner Liste.

    @martin: Ich lachte sehr. und auch hier: Ich erkenne die Parallelen.

    @marktwain64: Wenn ich ganz ehrlich bin, haben Sie mit diesem letzten Satz auch eher einen Bradley als einen Bradbury getan.
    (Grade kommt Ihre Korrektur rein. Ignoriere ich.)

    @nutman: Nun, die Zweifel sind in dem Fall nicht ganz unberechtigt. Aber mit @nurdertim seid Ihr im Grundsatz schon zwei.

    @Das_Mietmaul: Überdeutlich! Ich habe verstanden! Aber selbst schon wieder verkackt, nech? ; )

    @Fighti: Educated guess: nein.

    @Lurchmolch: Ich muss gestehen, dass ich mich an das Buch nur sehr rudimentär erinnere. Aber die Schulter, klar! Und ja, das freut mich sehr, dass mein kleiner Hinweis nicht nur ankommt, sondern dann auch gewürdigt und fortgeschrieben wird!

    @Faouzi: Mett-Curry. Chapeau.

    @BentheMan1980: Ich sag mal so: Hoffentlich kommt er zustande, der Endspurt. Bis dato ist kein Türchen ausformuliert. Und die Tage vollgepackt … Aber ich will nicht jammern, wird schon werden.

    @Frodo: Du hier! Und so weit von ratlos entfernt. Der korrekte Terminus ist übrigens, wie von @Felix geschrieben, Nahkampfeischnelllauf. Aber, Felix: Ahn ist nicht Ohno, Ohno ist nicht Ahn. Und beide sehen sie nicht aus wie der Reverend.

    @alle: Die nächsten Tage dürfte die Auflösung tendenziell knapp ausfallen. Aber Ihr kriegt ja eh alles selbst raus.

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