sechs/zwanzigfünfzehn

Sie zählte nicht zum Kreis der Favoriten,
hat nicht das Gold, den Weltrekord gejagt.
Sie lief halt mit, war – sportlich – schon betagt,
doch ließ sie sich das Laufen nicht verbieten.

Das Wetter war nicht grad die Wucht in Tüten:
Die Hitze hat die Damen arg geplagt.
Viel Flüssigkeitsaufnahme war gefragt,
um ja das Dehydrieren zu verhüten.

Es glückte nicht. Sie taumelte herum:
die Beine schief, der Rücken schrecklich krumm,
und nicht imstand, geradeaus zu gehen.

So wankte sie, erschütternd, bis ins Ziel,
wo sie direkt in Doktors Arme fiel.
(Vermut’ ich halt – ich kann’s bis heut nicht sehen.)

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Hintergründe zum Kalender.
Kommentare zu Sportart und Identität wären schön.
Bleiben aber zunächst verborgen. Spannung und so.

9 Gedanken zu „sechs/zwanzigfünfzehn

  1. Oh, ja. Das war die Dame aus der Schweiz, die – war es ein Marathon oder ein langes Gehen – in der Stadionrunde nur noch vor sich hin taumelte. Den Namen weiß ich nicht mehr. Und ich bin mir nicht mal mehr sicher, welches Event es war, tippe aber auf Olympia ’84.
    Schade, Rötsel wieder nicht gelöst. Aber darauf kommt es ja letztlich nicht an. Sondern hierauf: Es war wieder mal ein schöner Flashback. Danke.

  2. kam aus dem land des geißenpeter,
    doch das malheur passierte sehr viel später.
    die bösen engel von los angeles
    beschlossen: jetzt hat sie aber stress.
    vermute, es geht um diese
    langstrecken laufende liese.
    getauft auf gabriela als vornamen.
    wozu hinten noch andersen-schiess kamen.

  3. Olympische Spiele 1984 in L.A. Marathon der Frauen und Gabriela Andersen-Schiess (Namen musste ich mal wieder per Suchmaschine herausfinden) kommt nur durch puren Willen „aufrecht“ erhalten ins Stadion. Grauenhafte Bilder. Ein menschlicher Körper sollte nicht so grotesk verbogen sein.

  4. Ich kenne die Bilder und ich weiß, dass es um eine Marathonläuferin mit Wurzeln in der Schweiz geht. Und um die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles. Aber den Namen kenne ich schon wieder nicht und schiebe es auf meine Jugend.

  5. Ihr seid gut, auch sonntags. (Als ob mich das überraschen könnte!)
    Ja, Gabriela Andersen-Schiess, ich hatte sie als Gabi oder Gaby gespeichert, und ich bin mir sicher, dass mir der Name bis ins Rentenalter im Gedächtnis bleiben wird. Ich fand es furchtbar, das anzusehen.

    Ein bisschen schlecht fühle ich mich, weil die – endlich – erste Frau im Kalender nicht wegen ihrer sportlichen Leistung im engeren Sinne hier gelandet ist. Tja.

    Interessant, auch mit Blick auf den Kommentar von @der_tim, fand ich dieses
    Interview
    mit ihr, die sich ja, wie oben gesagt „das Laufen nicht verbieten“ lassen wollte.

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